Der Sohn des 41. und Bruder des 43. Präsidenten tritt an. In Umfragen liegt er derzeit weit hinter seiner vermutlichen Herausforderin Hillary Clinton.
Washington. Früher traten amerikanische Politiker noch auf die Stufen des Kapitolgebäudes in ihrem jeweiligen Bundesstaat (wie Bill Clinton 1991 in Little Rock) oder in einer nationalen Naturschönheit (wie Gary Hart im Red Rocks Park von Colorado vier Jahre zuvor) vor die Kameras, um ihre Kandidatur für das Präsidentenamt kundzutun.
Heutzutage macht man das offenkundig auf Facebook. Mit einem kurzen Gruß kündigte Jeb Bush (61), der frühere Gouverneur von Florida und Sohn sowie Bruder ehemaliger Präsidenten, an, dass er mit Jahresbeginn die Kampagne um das Weiße Haus in Angriff nehmen werde. „Gesegnete Weihnachten und frohe Chanukka“, verkündete er. „Wie viele von euch war unsere Familie damit gesegnet, zu Thanksgiving zusammenzukommen. Wir haben miteinander gut gegessen und eine Menge Football geschaut. Wir haben auch über die Zukunft unserer Nation geredet. Als Ergebnis dieser Gespräche und tiefen Nachdenkens über jene Art von starker Führung, die, wie ich denke, Amerika braucht, habe ich beschlossen, aktiv die Möglichkeiten zu ergründen, als Präsident der Vereinigten Staaten zu kandidieren.“
Der Lieblingssohn von Bush père
Eine Überraschung war das nicht; seit Monaten hatten sich die Anzeichen für den dritten Anlauf eines Bush auf die Präsidentschaft verdichtet. Diese Woche hatte er angekündigt, ein Buch mit seinen politischen Ideen herauszubringen und rund 250.000 E-Mails aus seinen beiden Amtszeiten als Gouverneur von Florida von 1999 bis 2007 zu veröffentlichen. „Ein Teil des Dienens oder Kandidierens ist Transparenz. Also werde ich die Leute ihre Meinung bilden lassen.“ Unter seinen E-Mails gebe es „einige lustige, einige traurige und einige ernste“.
Schon im Jänner plant Bush, ein sogenanntes Political Action Committee ins Leben zu rufen, also eine Wahlplattform, über die sich dank der höchstgerichtlichen Rechtsprechung der jüngeren Vergangenheit mehr oder weniger unbegrenzte Summen anonymer Spender organisieren lassen.
Dieses PAC wird darüber entscheiden, ob Bush am 8.November 2016 als Kandidat der Republikaner auf dem Stimmzettel stehen wird. Die parteiinterne Vorausscheidung wird mindestens so hart wie vor vier Jahren; Männer wie New Jerseys Gouverneur, Chris Christie, oder der libertäre Senator Rand Paul, von denen die Kandidatur zu erwarten ist, haben diesen Sommer schon Wochen in Iowa verbracht, was weniger mit ihrer Vorliebe für Maisfelder als damit zu erklären ist, dass Iowa einer der ersten Bundesstaaten ist, in dem 2016 Vorwahlen stattfinden. Nur wenn Bush vom Start weg alle großen konservativen Sponsoren (Männer wie den Kasinobetreiber Sheldon Adelson oder die Ölmilliardäre Charles und David Koch) für sich gewinnt, wird er unversehrt aus diesem Haifischbecken steigen.
Der aus Liebe zu seiner mexikanischen Gattin zum Katholizismus konvertierte jüngere Bush-Bruder hätte nach dem Willen seines Vaters, des Ex-Präsidenten George H.W. Bush, schon 2000 kandidieren sollen. Der alte Bush hielt Jeb stets für talentierter und gescheiter als seinen um sieben Jahre älteren Bruder George W., der dann bis 2009 im Weißen Haus amtierte.
Ob die Amerikaner für den dritten Bush bereit sind ist ebenso offen wie die Frage, ob sie nach Bill künftig auf seine Gattin Hillary Cinton im höchsten Amt des Staates sehen wollen. Paradoxerweise reibt sich der republikanische Grundinstinkt dieser Nation mit einer heimlichen Bewunderung für Dynastien: Man denke etwa an die Kennedys. In einer am Dienstag vorgelegten Umfrage der McClatchy-Zeitungsgruppe liegt Clinton jedenfalls mit 53 zu 40Prozent voran.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2014)