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Rettet die Glühbirne!

Die EU-Kommission hat einen schlechten Ruf. Bisweilen sogar völlig zu Recht.

Gegner der EU setzen das Brüssel der Eurokraten gerne mit dem Moskau der Sowjetzeit gleich. Diesmal ist es der EU-Kommission tatsächlich gelungen, diesem Vorurteil zu entsprechen. Im Stile des Zentralkomitees der KPdSU wurde über die Köpfe der Bürger hinweg beschlossen, was für die Bürger richtig ist. Oder zumindest die EU-Kommission dafür hält. Die Glühbirne muss weg. Brüssel bestimmt, was künftig in unseren Schlafzimmern zu hängen hat – die Energiesparlampe.

Diese konnte sich am Markt bisher nicht durchsetzen. Sie ist nicht nur teurer als die Glühbirne und strahlt im Gegensatz zu Edisons Erfindung kaltes, grelles und unbehagliches Licht ab. Sie ist auch technisch so unausgereift, dass ihr Nutzen umstritten ist. Die Energiesparlampe enthält Quecksilber, dessen nicht sachgerechte Entsorgung erst recht zu Umweltschäden führen könnte. Und auch die Wärmeabgabe der Glühbirne, derentwegen sie nun verbannt wird, hat nicht nur Nachteile. Studien zufolge werden deshalb die Heizkörper weniger stark aufgedreht, als dies bei kühler Energiesparlampenbeleuchtung der Fall ist.

Etliche EU-Parlamentarier versuchten zuletzt noch, die Kommission umzustimmen. Doch die Übung gelang nicht. Die Kommission war fest entschlossen, das Projekt im Sinne der Energiesparlampen-Lobby durchzuboxen. Sie sollte sich dann am 7. Juni nur nicht über eine dementsprechende Antwort der Bürger wundern. (Bericht: S. 3)


oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2009)