Premiere: Als Probe für die ÖH-Wahl testeten Studenten das E-Voting – mit Skifahrern als Kandidaten.
Wien. „So, jetzt sollte dann alles funktionieren.“ Eine Stunde nach dem geplanten Termin am Mittwochvormittag geben die Experten den Ring frei für den E-Voting-Test an der Wiener Wirtschaftsuniversität. Zuvor hatte es unter anderem Schwierigkeiten mit der Verbindung zum Bundesrechenzentrum gegeben. Nach dem O.K. der Experten liegt es aber an den Studenten, das Wählen per Computer auszuprobieren. Schließlich kann man bei der im Mai stattfindenden Wahl zur Österreichischen Hochschülerschaft erstmals per Mausklick votieren.
Bei der Testwahl geht es aber nicht um Politik. Man muss die beste Skination sowie die fünf besten österreichischen Skifahrer wählen. „Den Raich klick ich weg, den mag ich nicht“, meint Markus Gruber, Student der Internationalen Betriebswirtschaft. Mit einem Lächeln quittiert er die Aufforderung des Computers, wonach man die geheime Wahl bestätigen soll. „Ich fühle mich gerade nicht unbeobachtet“, scherzt Gruber, zumal ihm Experten helfend zur Seite stehen. Das E-Voting selbst findet der junge Mann gut: „Ich werde bei der ÖH-Wahl nicht auf der Uni sein“, erklärt der Student. Daher wolle er via Computer von zu Hause wählen. Hundertprozentig sicher sei E-Voting zwar nicht, aber das sei die Wahl am Papier doch auch nicht.
Für die Wahl von zu Hause muss man zum Beispiel seine E-Card als Bürgerkarte aktivieren und benötigt ein Kartenlesegerät. Auch ein anderer Student hat seine Karte aktiviert, vom E-Voting-Testlauf wirkt er aber nicht so begeistert. „Ich habe jetzt gar nichts verstanden“, meint er. Seine Kritik darf er in einem Formular festhalten.
Welcher Code ist nun richtig?
Mehrere Leute bemängeln, dass man nicht weiß, wann man gerade den vier- oder den sechsstelligen PIN-Code eingeben muss. Doch früher oder später gelingt die Stimmabgabe. Ein Student mit zwei Bürgerkarten will sogar doppelt wählen. Das klappt aber nicht.
Keinen leichten Job hat die junge Frau, die vorbeigehende Studenten zur Testwahl überreden soll. „Scheiß E-Voting“, schreit ein Passant. Später lassen sich einige Studenten aber doch zum Test überreden. Studenten wohlgemerkt, denn bis Mittag wagt sich keine einzige Frau zum Computer.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2009)