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Hat das Bundesheer Doping vertuscht?

Ein Dopingskandal wird zur Staatsaffäre: Der umstrittene Ex-Trainer Walter Mayer behauptet, dass das Bundesheer sein Schweigen erkauft hat. Kaufpreis: ein Spitzenposten im Heeressportzentrum.

Drei Jahre nach der Dopingaffäre im österreichischen Skiverband bei den Olympischen Winterspielen von Turin bricht der Hauptverdächtige Walter Mayer sein Schweigen. Und die Anschuldigungen des früheren Langlauftrainers könnten dazu führen, dass aus einer Dopinggeschichte ein veritabler politischer Skandal wird. Denn Heeressportler Mayer bezichtigt indirekt seinen damaligen obersten Chef, die Affäre vertuscht zu haben. Er meint damit den ehemaligen Verteidigungsminister Günther Platter (ÖVP).

Der nunmehrige Landeshauptmann in Tirol war am Mittwoch für die „Presse“ nicht erreichbar. Sein Nachfolger, SPÖ-Mann Norbert Darabos, hat mittlerweile eine Disziplinarkommission im Heer eingerichtet.

 

Posten für Mayer

Neue Brisanz hatte die Dopingaffäre von Turin 2006 durch einen Bericht der „Presse am Sonntag“ erhalten. Darin wurden schwere Anschuldigungen gegen Mayer erhoben. Mayer wählte daraufhin die Flucht nach vorne. Er setzte sich – seinen Angaben zufolge – über einen Maulkorberlass des Bundesheeres hinweg. Hintermänner hat Mayer bisher nicht genannt. Er bestreitet nach wie vor, Teil der Dopingmaschinerie gewesen zu sein. „Ich war ein Schlitzohr. Und ich stand auf dem Standpunkt, dass erlaubt ist, was nicht verboten ist“, sagte er der „Kleinen Zeitung“.

Mayer hatte bereits bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City die sogenannte „Blutbeutelaffäre“ ausgelöst – und schadlos überstanden. Der damalige Verteidigungsminister Herbert Scheibner (BZÖ, damals FPÖ) hatte keinen Anlass gesehen, den Mann, der Blut mit UV-Strahlen behandelt hatte, vom Heeressport abzuziehen.

Vier Jahre später war Mayer der Grund für die spektakuläre Dopingrazzia in Turin. Der Heeressportler spricht nun davon, im Mai 2006 einen Maulkorb vom Bundesheer verpasst bekommen zu haben. Für sein Schweigen habe man ihm den Posten des stellvertretenden Kommandanten des Heeressportzentrums in Graz zugesichert.

Nun nimmt sich Verteidigungsminister Norbert Darabos, ein erbitterter Dopinggegner, der heiklen Causa an. Von angeblichen Vertuschungen will der Minister nichts wissen. Er will allerdings Antworten auf drängende Fragen. Etwa: Warum der Maulkorb? Was hätte Mayer verschweigen sollen?

Eine dieser Antworten könnte in Hochfilzen liegen, einem der offiziellen Stützpunkte der Heeressportler. Dopingkontrollen waren in den Tiroler Bergen bis vor wenigen Monaten nicht üblich, besser gesagt, fast nicht durchführbar. Die Kontrollore waren nicht nur unerwünscht, sie fanden überhaupt keinen Einlass. Das Areal, auf dem sich Heeressportler und Angehörige des österreichischen Skiverbandes tummelten, wurde lange Zeit als eine Art militärisches Sperrgebiet geführt. Erst seit wenigen Monaten sind die Schranken für Dopingjäger uneingeschränkt geöffnet.

 

Olympia-Sperre für Biathleten

Das Österreichische Olympische Comité hatte nach dem Dopingskandal von Turin 2006 das gesamte damalige Betreuerteam der Biathleten – Direktor Markus Gandler, Sportkoordinator Walter Gapp, die Trainer Walter Hörl und Alfred Eder sowie Masseur Stefan Rohrmoser – für die Spiele 2010 in Vancouver gesperrt. Begründung: Das Vertrauen in die Verhinderung von Dopingvergehen sei nicht gegeben.

Mayer wurde zwar von Olympischen Spielen ausgeschlossen, aber strafrechtlich verurteilt wurde er nie. Darabos will Mayer nun ganz vom Heeressport entfernen und ins Logistikzentrum Graz strafversetzen.

Leitartikel von Gerhard HoferSeite 27

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2009)