Millionenstreik gegen Sarkozys Krisenmanagment

Streik in Frankreich
(c) AP (Christophe Ena)

Bis zu 2,5 Millionen Menschen folgen dem Aufruf der Gewerkschaften und protestieren gegen die Krisen-Politik von Präsident Sarkozy. Im öffentlichen Dienst streikten 20 Prozent aller Bediensteten.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr haben die Franzosen mit Großdemonstrationen und Streiks gegen die Krisenpolitik von Staatschef Nicolas Sarkozy mobil gemacht. Laut Gewerkschaften übertraf die Beteiligung den letzten Großprotest von Ende Jänner, als ihnen zufolge 2,5 Millionen Menschen auf die Straße gegangen waren. Wegen der Streiks fielen viele Zugverbindungen und Flüge aus, Schulen mussten teils geschlossen bleiben.

Mit dem Protest wollen die französischen Gewerkschaften die konservative Regierung zwingen, im Kampf gegen die Wirtschaftskrise mehr für die Stärkung der Einkommen zu tun. Nach den letzten Massenprotesten hatte Sarkozy einen "Sozialgipfel" einberufen, der ein Gesamtpaket von 2,6 Milliarden Euro verabschiedete, das vor allem einkommenschwachen Haushalten helfen soll. Weitere Nachbesserungen lehnt die Regierung mit Verweis auf leere Kassen ab.

"Es sind mindestens so viele und sogar mehr Menschen als letztes Mal", sagte François Chérèque, Generalsekretär der Gewerkschaft CFDT, bei der Protestkundgebung in Paris. An ihr nahmen bei strahlendem Sonnenschein laut Polizei 85.000 Menschen teil, 20.000 mehr als Ende Jänner. Auf Transparenten forderten die Demonstranten insbesondere ein Ende der Streichung von Beamtenstellen sowie eine Anhebung von Löhnen und Renten. Die Gewerkschaft CGT ging davon aus, dass bei den über 200 Kundgebungen im ganzen Land im Schnitt ein Viertel mehr Menschen waren als im Jänner.

Größte Streikbereitschaft im öffentlichen Dienst

Am stärksten war die Streikbereitschaft erneut im öffentlichen Dienst: Dort legte ein Fünftel der Beschäftigten die Arbeit nieder, wie die Regierung mitteilte. Ihr zufolge waren das weniger als Ende Jänner. Bei der Staatsbahn SNCF musste etwa die Hälfte der Züge gestrichen werden. An den Pariser Airports fielen zehn bis 30 Prozent der Flüge aus. Während die U-Bahn in der Hauptstadt praktisch normal funktionierte, verkehrten in Nizza keine Straßenbahnen, in Bordeaux und Straßburg nur etwa halb so viele wie sonst.

Nach Umfragen standen rund drei Viertel der Franzosen hinter den Protesten. Die Gewerkschaften setzten dieses Mal auf eine höhere Streikbeteiligung im Privatsektor, nachdem es dort zuletzt eine Welle von Entlassungen gegeben hatte. Gestreikt wurde unter anderem in einer Raffinerie beim Ölkonzern Total, nachdem der Konzern trotz eines Milliardengewinns 555 Stellenstreichungen angekündigt hatte.

Vertreter der Regierungsmehrheit hatten sich zuletzt beunruhigt darüber gezeigt, dass die Arbeitnehmerproteste bei den Unternehmen zuletzt deutlich radikaler wurden. So bewarfen Beschäftigte des deutschen Autozulieferers Continental nach einer angekündigten Werksschließung Führungskräfte am Montag mit Eiern und Flaschen, vergangene Woche sperrten aufgebrachte Mitarbeiter des Elektronikkonzerns Sony aus Protest gegen niedrige Abfindungen sogar den Frankreich-Chef des Unternehmens für eine Nacht ein.

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