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Der Adi legt sich mit den Bösen in der Molkerei an

FOTOPROBE ´AM BEISPIEL DER BUTTER´
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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„Am Beispiel der Butter“ im Vestibül: Etwas abgründig, aber meist heiter.

Die kleinste Bühne des Burgtheaters ist eine Versuchsstation. Das Vestibül wurde nun genutzt, um auch in Wien ein fast frisches Drama des Steirers Ferdinand Schmalz zu zeigen: „Am Beispiel der Butter“ war im März in Leipzig uraufgeführt worden und hatte im April in Bregenz die österreichische Erstaufführung. Alexander Wiegolds Inszenierung hat nun am Donnerstag bestätigt: Schmalz ist eine Hoffnung fürs Theater. Sein Text erinnert an barocke Volksstücke Werner Schwabs, an die Wortkaskaden Elfriede Jelineks, er ist aber nicht so exzessiv wie der verstorbene Grazer Dichter und nicht so treffsicher wie die Nobelpreisträgerin. Doch die hohe Qualität von fünf Burgschauspielern und das Vermögen des Regisseurs, ohne unmäßigen Aufwand eine Atmosphäre des Absurden zu kreieren, machen diese 70 Minuten zum Vergnügen. Von diesen Künstlern will man mehr sehen.

Schauplatz ist eine Molkerei. Claudia Vallant hat die Bühne weiß verfliest, in einem Kühlfach steht ein Glas Joghurt. Die Produktionshallen sind durch transparente Plastikvorhänge verdeckt. Werden sie beiseite geschoben, sieht man eine verflieste Schank. An diesem zweiten Ort erfährt man, welcher Konflikt droht: Jenny (Catrin Striebeck), die Inhaberin der Bahnhofsreste, und der Exekutivbedienstete Hans (Marcus Kiepe) mokieren sich Schnaps trinkend darüber, dass Adi (Peter Knaack), ein Molkereiarbeiter, sein Deputat an Joghurt an Passagiere im Zug verfüttert. Das stört den Verkauf.

 

Im Hobbykeller droht Perversion

Aus dieser Lächerlichkeit entwickelt sich eine Kriminalgeschichte. Auch der Molkerei-Manager Huber (Michael Masula) hat Vorbehalte gegen den störrischen Adi, der sich rührend um die junge Kollegin Jenny (Jasna Fritzi Bauer) kümmert. Er scheint sie für Obstruktionen zu gewinnen, zweigt heimlich Butter ab, aus der er ein Denkmal des Protestes machen will. Zart wächst neben Sozialkritischem eine Liebesgeschichte. Die Gegenseite reagiert brutal. Knockout-Tropfen kommen zum Einsatz, im Hobbykeller droht Perversion. Doch die Gewalt dieser Kunstfiguren wird sahnig weich in einer ganz eigenen Kunstsprache verpackt. Nur wohldosiert darf jeder der Darsteller in kurzen Monologen ein bisschen aus sich herausgehen und etwas ahnen lassen von Täterschaft oder Aufbegehren. Da zeigen sie, was sie können, neben all der heiteren Poesie, die dieses Stück verbreitet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2014)