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Ein Stück Geschichte

Memorabilien bekannter Persönlichkeiten oder historischer Momente haben einen großen Sammlermarkt. Am Mittwoch schrieb Churchills Leben Rekorde.

Ein Goldfischteich im impressionistischen Stil, gemalt von einem Hobbymaler, brachte am Mittwoch bei Sotheby's 1,8 Millionen Pfund oder umgerechnet 2,2 Millionen Euro ein. Der Grund, warum dieses Gemälde geschafft hat, was der Großteil der Künstler nicht schafft, ist der Name des Freizeitmalers. Es war Winston Churchill. Das Bild brach damit den bisherigen Rekord von einer Million Pfund für ein Bild Churchills. Insgesamt überstiegen die fünfzehn Ölgemälde des Staatsmannes ihren Schätzwert um ein Vielfaches. Der Andrang bei der Versteigerung des Nachlasses von Mary Soames, der im Mai im Alter von 91 Jahren gestorbenen jüngsten Tochter des Kriegspremiers, war enorm.

Nicht nur seine Bilder, sondern auch persönliche Objekte wurden um enorme Summen verkauft. Der Humidor für Churchills Zigarren war einem Sammler 21.250 Pfund wert, der Aktenkoffer aus seiner Zeit als Minister für die Kolonien sogar 158.000 Pfund, das ist das 25-Fache des Schätzwertes.

Ein Hauch Vergangenheit. Churchill ist nur ein Beispiel von vielen. Das Geschäft mit Memorabilien berühmter Persönlichkeiten ist riesig. Im Vorjahr etwa jährte sich die Ermordung von John F. Kennedy zum fünfzigsten Mal. Eine Fliegerjacke, die Kennedy trug, brachte es bei einer Auktion auf 570.000 Dollar. Aber auch ohne Jubiläum entwickeln sich die Preise kontinuierlich nach oben. Laut einer Erhebung des britischen Sammlerhauses Paul Fraser Collectibles ist der Wert eines Kennedy-Autogramms seit dem Jahr 2000 jährlich im Schnitt um zwölf Prozent gestiegen.

Neben dem Persönlichkeitskult sind es aber auch Erinnerungsstücke an historische Ereignisse, wie an den Untergang der Titanic, die Sammler aus der ganzen Welt anlocken. Die Österreicher wiederum haben ein Faible für Preziosen aus der Monarchie. Die Kaiserhausauktion im Dorotheum findet immer großen Zuspruch. Eingeliefert wird alles, was jemals ein Mitglied des Herrscherhauses Habsburg touchiert hat. Am begehrtesten ist laut Auktionshaus Kaiserin Sisi. Für einen vermeintlich von ihr getragenen Reiterhut hat ein Fan heuer 134.500 Euro ausgegeben. Sogar die Unterhosen Kaiser Franz Josephs finden einen Abnehmer.

Was macht den Reiz dieser Sammlerstücke aus? Die Objekte versprühen einen Hauch Geschichte und Authentizität. Die damit verbundene Nähe zu Glamour, Macht und Erfolg lässt die Faszination für eigentlich alltägliche Gegenstände entstehen. Das Gefühl, dass die Reliquien von der Person benutzt wurden, ist greifbar.

eva.komarek@wirtschaftsblatt.at

diepresse.com/kunstwerte

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2014)