Ab Sonntag im TV: Kühle, wenig authentische "Krupps"

Iris Berben als Bertha Krupp
(c) ORF/ZDF (Stephanie Kulbach)

Drama über die Machtbesessenheit einer stählernen Frau (Iris Berben). Trotz Originalschauplätzen (u. a. in Salzburg) bleibt der ORF-ZDF-Dreiteiler historisch unscharf.

Ein Straßenfeger wird es wohl nicht werden, durchaus gute Fernsehunterhaltung für viele Deutsche und Österreicher aber vermutlich schon. Zu viel erwarten sollte man sich aber nicht von diesem nur stellenweise eindrucksvollen Psycho-Drama über die Machtbesessenheit einer Frau vor leider ein wenig unscharfem historischen Hintergrund. "Krupp - eine deutsche Familie" läuft kommenden Sonntag, Montag und Mittwoch, 20.15 Uhr parallel in ORF und ZDF.

Iris Berben ist Bertha Krupp in diesem TV-Dreiteiler von Carlo Rola und Drehbuchautor Christian Schnalke. Um sie herum gruppieren sich Ehemann Gustav Krupp (Thomas Thieme) und vor allem ihr Sohn Alfried Krupp (Benjamin Sadler), der allerdings nie Kontur entwickelt und sowohl im Drehbuch in Berthas Schatten, als auch auf der Leinwand in Berbens Schatten bleibt.

Berbens Sohn als Produzent

Alles dreht sich in diesen insgesamt 285 Filmminuten um die Besessenheit und Arroganz einer mächtigen, stählernen Frau. Die wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge werden nur gestreift, eine Aufarbeitung deutscher Unternehmensgeschichte ist dieser Film nicht. Das hat Produzent Oliver Berben (Sohn von Iris) wohl den Dokumentationen überlassen, mit denen beide Sender die Ausstrahlung ihrer Koproduktion begleiten.

"Krupp - eine deutsche Familie" setzt in langsamen Bildern auf die emotionale Wirkung von feudalem Pomp und die Einsamkeit der von Repräsentation und Etikette unterdrückten, zum Teil zerbrochenen Menschen. Doch auch in diesem Punkt bleibt der Film seltsam steril und dringt nur an wenigen Stellen tief in das Lebensgefühl im Brennpunkt von Macht, unermesslich viel Geld und politischem Einfluss. Drehbuch, Regie und zum Teil auch die Schauspieler konnten die Schale dieser sprichwörtlich harten Unternehmer-Dynastie trotz einiger guter Momente nicht wirklich knacken.

Gedreht wurde an 81 Tagen mit insgesamt mehr als 2.000 Mitarbeitern an 68 Drehorten. Darunter nicht nur in der Villa Hügel in Essen, dem feudalen Hauptquartier von Deutschlands ehemals einflussreichster Unternehmerfamilie, sondern auch in Berlin, Potsdam, Köln, einer Reihe anderer deutscher Städte sowie in Innsbruck und vor allem in Salzburg. Im Schloss Blümbach bei Golling steht ein ehemaliger Jagdsitz der Krupps. Und auch die Salzburger Innenstadt mit Festung und Dom gibt die Kulisse. Das war der Salzburger Filmförderung immerhin mehr als 100.000 Euro Produktionskostenzuschuss wert.