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Die Wall Street als Hoffnungsträger

(c) REUTERS (BRENDAN MCDERMID)
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Während die Börsen heuer im Rest der Welt schwächelten, zogen sie in den USA kräftig an. Diese Konstellation gab es viermal seit 1970 - immer zogen die Weltbörsen im Folgejahr nach.

New York. Die rekordverdächtige Entwicklung der Börsen in den USA im Vergleich zu den Finanzmärkten in anderen Teilen der Welt ist ein gutes Zeichen für die Weltwirtschaft im kommenden Jahr. Der breite US-Aktienindex Standard & Poor's 500 hat dank einer sich ausweitenden Konjunkturerholung in den USA im laufenden Jahr etwa zwölf Prozent zugelegt, während die Finanzmärkte im Rest der Welt in Dollar berechnet um 6,5 Prozent nachgaben.

Diese überraschende Divergenz ist zurückzuführen auf die Kombination steigender US-Aktienkurse und des gegenüber fast allen anderen Währungen aufwertenden US-Dollar. Damit ist der US-Aktienmarkt im Vergleich zu den anderen Finanzmärkten so stark gestiegen wie zuletzt vor 22 Jahren, wie Daten von Bloomberg zeigen.

 

USA als Konjunkturlokomotive

Es gibt daher durchaus Grund für Optimismus. Und zwar trotz der insbesondere im letzten Jahresquartal teilweise dramatischen Verluste in Schwellenländern und der Schuldenkrisen in Ländern von Russland bis Venezuela, die an das Schockjahr 1998 erinnern können.

Denn ein Blick in die Geschichte zeigt: Immer, wenn die Divergenz zwischen der Entwicklung in den USA und dem Rest der Welt sehr groß ist, holen die anderen Länder innerhalb der folgenden zwölf Monate auf.

„In der Tat ist es vor allem die starke Entwicklung in den USA, die globale Wachstumsprobleme mehr als irgendeine andere Entwicklung in Schach hält“, sagt Marktstratege David Lafferty von Natixis Global Asset Management in Boston. Würde die Wachstumsgeschwindigkeit in den USA nicht anziehen, gäbe es wesentlich mehr Grund zur Sorge, und auch die weltweite Volatilität wäre um einiges höher.

Insgesamt gab es vier Jahre seit 1970, in denen die US-Aktienmärkte auf Basis des S&P 500 in vergleichbarer Weise den internationalen Finanzmärkten vorausgelaufen waren. Jedes Mal folgte beim globalen Kursbarometer MSCI World ex-U.S. Index, der die USA herausrechnet, eine starke Erholung von im Schnitt 14 Prozent.

Im Jahr 1992, als US-Aktienmärkte anzogen, während internationale Finanzmärkte um 14 Prozent korrigierten, war es vor allem der US-Dollar, der anstieg. Damals zwang George Soros das Britische Pfund aus dem europäischen Wechselkurssystem heraus. Im folgenden Jahr kam der MSCI ex-U.S. auf ein Wachstum von 30 Prozent– damit war diese Rally mehr als viermal so stark wie die Erholung im S&P 500. Ein anderes Beispiel ist die Lateinamerika-Krise 1982: Investoren suchten seinerzeit die Sicherheit amerikanischer Aktien und schoben den S&P 500 um 15 Prozent voran. Das Kursbarometer MSCI sank um 4,2 Prozent, erholte sich aber im folgenden Jahr 1983 um 21 Prozent.

 

Mehr Arbeitnehmer eingestellt

„Die USA haben sich heuer als die Lokomotive der Weltkonjunktur erwiesen“, stellte Stratege Sam Wardwell von Pioneer Investment Management in Boston fest. „Und die USA brauchen den Rest der Welt weniger als der Rest der Welt die USA.“ Die Lokomotive scheint derzeit voll zu beschleunigen. Im letzten Monat wurden in den USA so viele Arbeitnehmer eingestellt wie seit nahezu drei Jahren nicht mehr, und auch die Breite der Einstellungen über die Branchen hinweg war so ausgeglichen wie zuletzt 1998. Für das kommende Jahr wird den USA mit drei Prozent so viel BIP-Wachstum vorausgesagt wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Dem US-Index S&P 500 werden 7,5 Prozent Wachstum für 2015 vorausgesagt, wie 17 von Bloomberg befragte Analysten im Mittel in Aussicht stellten. Für Europa ergab sich ein Wachstum von 14 Prozent. (Bloomberg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2014)