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Norwegen: Klimawandel setzt Eisbären unter Stress

(c) AP (Jonathan Hayward)
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Konferenz diskutiert über Ausweitung des Eisbären-Schutzgebietes am Nordpol.

Ottawa/TROMSØ (bra). Unerwartet deutlich ging im norwegischen Tromsø gestern, Donnerstag, eine Konferenz zum Schutz der am meisten bedrohten Tierart der Welt zu Ende: Fünf Arktisstaaten mit Eisbären-Bestand haben die Bedrohung der Spezies durch den Klimawandel offiziell anerkannt und fordern nun „angemessene Maßnahmen“.

Der weltweite Bestand der Eisbären wird auf 20.000 bis 25.000 geschätzt, etwa zwei Drittel davon leben in Kanada. Da Eisbären ihre Hauptnahrung, Robben, auf dem Eis erlegen, sind sie vom Klimawandel und dem Rückgang des Polareises bedroht. Dies unterstrichen Vertreter der Konferenzteilnehmer aus Norwegen, Dänemark, Russland, Kanada und den USA, indem sie sich einer wissenschaftlichen Prognose anschlossen, wonach den Tieren noch in unserem Jahrhundert die Ausrottung im größten Teil ihres jetzigen Lebensraumes droht, falls das Meereis im nun vorhergesagten Umfang (möglicherweise schon binnen der nächsten paar Jahre) zumindest im Sommer ganz verschwinden sollte.

 

Gefahr durch Touristen

Die Erhaltung dieser Art hänge von Erfolgen bei der Abschwächung des Klimawandels ab. Nötig sei, andere Stressfaktoren für die Tiere und ihre Umwelt wie die Zerstörung ihres Lebensraums, Jagd, Belastung durch Schadstoffe und von Menschen verursachte Störungen zu verringern. Die Ausweitung von Schutzgebieten könne die Bedrohung reduzieren.

Die fünf Staaten sprechen sich auch für weitere Schritte im Kampf gegen die Verbreitung von Schadstoffen, die über Luftströme in die Arktis gelangen, aus. Auch die industrielle Entwicklung, die Schifffahrt und der Tourismus setzen den Eisbären zu.

Die Konferenz plädierte für eine effektive weltweite Antwort auf die Herausforderung durch Klimawandel. Damit bekommt die im Dezember anstehende UN-Klimakonferenz in Kopenhagen, die über das Nachfolgedokument zum Kyoto-Protokoll beraten wird, deutlich mehr Gewicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2009)