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"Ich weiß, was wichtig für mich ist": Die selbstbestimmte Dienerin

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Als Geschäftsführerin galt Renate Danler als das Gesicht der Wiener Hofburg. Ihrem Abschied folgte eine Auszeit. Heute ist sie selbstständige Beraterin.

Drei Jahrzehnte im Tourismussektor hinterlassen wohl ihre Spuren. Wenn Renate Danler über ihren Beruf spricht, ist ständig von „dienen“ die Rede, nicht von „arbeiten“. Ihr selbst fällt das gar nicht auf. „Wirklich, sage ich dienen?“, fragt sie etwas erstaunt. „Aber ja, kann schon sein. Meine Tätigkeit im Dienstleistungssektor habe ich immer als Dienst an den Menschen verstanden. Und ich diene gern. Das ist für mich kein negativ konnotierter Begriff.“

Daher verwundert es auch nicht, dass sie dem Dienstleistungssektor nach ihrem Abgang als Geschäftsführerin des Kongresszentrums der Wiener Hofburg im Februar dieses Jahres treu bleibt – und zwar als selbstständige Unternehmensberaterin mit den Schwerpunkten Konferenz, Kultur und Tourismus.

Sieben Jahre lang leitete sie die Geschicke der Hofburg und konnte stets ausgezeichnete Geschäftsergebnisse vorweisen. Erst im September 2011 wurde ihr Vertrag verlängert und hätte bis 2017 gegolten. Umso überraschender kam im Februar die Nachricht von ihrem Abschied – bei dem ihr etwas gelungen ist, was auf Managementebene den meisten verwehrt bleibt. Nämlich ohne Gesichtsverlust zu gehen. Und das, obwohl sie für die Öffentlichkeit das Gesicht der Hofburg war.

 

Andere Rahmenbedingungen

Zu den Gründen ihres Abgangs äußert sie sich bis heute nicht und verweist auf eine Wohlverhaltensklausel. Dabei brauche sie eine solche Klausel gar nicht. Öffentlich Schmutzwäsche zu waschen sei noch nie ihr Stil gewesen. „Ich habe die Jahre in der Hofburg sehr genossen. Aber durch den Gesellschafterwechsel änderten sich die Rahmenbedingungen meiner Tätigkeit maßgeblich, sodass wir den Vertrag einvernehmlich aufgelöst haben“, sagt Danler und zitiert Konfuzius: „Denn wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, miteinander Pläne zu machen.“

Der anschließende Schritt in die Selbstständigkeit sei für sie „trotz einiger interessanter Angebote“ die logische Entscheidung gewesen. „Nach 20 Jahren Geschäftsführertätigkeit überlegt man sich sehr genau, wie es im Leben weitergehen soll“, betont die 57-jährige Betriebswirtin, die unter anderem Tourismusdirektorin in Alpbach und Kitzbühel war. „Die Hofburg ist die erste Adresse im Kongresswesen. Vergleichbare Aufgaben sind in Österreich rar gesät. Außerdem will ich nicht mehr fremdbestimmt arbeiten, sondern eine selbstständige Tätigkeit ausüben, die über das Pensionsalter hinausgeht.“

Ständig im Rampenlicht zu stehen und öffentliche Diskussionen zu führen, sei schon auch anstrengend gewesen. „Trotz der Begeisterung, mit der ich bei der Sache war, wünschte ich mir manchmal, dass interne Angelegenheiten wie in gewöhnlichen Unternehmen auch intern bleiben“, sagt Danler. „Diese Öffentlichkeit werde ich in meinem neuen Leben nicht vermissen.“ Leicht sei ihr die Entscheidung dennoch nicht gefallen. Die Risken der Selbstständigkeit hätten ihr ebenso zu denken gegeben wie der „mögliche Verlust von Sozialprestige“. Die Bedeutung einer Hofburg-Geschäftsführerin sei schließlich eine andere als die einer Unternehmensberaterin. „Aber interessanterweise kommen jetzt sogar mehr Menschen auf mich zu als früher und suchen den Kontakt“, erzählt die gebürtige Tirolerin. „Ich muss immer noch mehr Einladungen absagen, als ich annehmen kann. Und selbst wenn das nicht der Fall wäre – mit dem Alter kommt auch die Gelassenheit. Ich weiß, was wichtig für mich ist und worauf ich verzichten kann.“

Nicht verzichten könne sie jedenfalls auf neue Herausforderungen. So nutzte sie die vergangenen Monate, um sich im Bereich Management und Consulting fortzubilden, und erwarb die Titel Certified Management Consultant (CMC) und Certified Supervisory Expert (CSE). Ihre Neugier zu bewahren und ihren Horizont zu erweitern, habe schon immer zu ihren Stärken gezählt. „Außerdem“, so Danler, „ist es schön, nach all den Jahren wieder Prüfungen zu absolvieren und zu den Besten zu gehören. Ich hatte schon fast vergessen, wie sich das anfühlt.“

ZUR PERSON

Tourismus und Management. Renate Danler wurde 1957 in Neustift im Tiroler Stubaital geboren. Nach der Matura und Auslandaufenthalten in Paris, London und New York studierte sie Betriebswirtschaftslehre in Innsbruck. Danler war Tourismusdirektorin in Alpbach und Kitzbühel, Vizepräsidentin des Bundesverbandes Österreichischer Tourismusmanager sowie Mitglied im Marketingbeirat der Österreich-Werbung. Nach ihrem Abgang als Geschäftsführerin der Hofburg im Februar 2014 machte sie sich als Unternehmensberaterin selbstständig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2014)