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Russland: Angst vor Bankencrashs

(c) APA/EPA/MAXIM SHIPENKOV
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Die Zentralbank musste die russische Trust-Bank vor der Pleite retten. Finanzminister Siluanow befürchtet, dass im nächsten Jahr weitere Finanzinstitute Probleme bekommen werden.

Wien/Moskau. In Russland überschlagen sich die Ereignisse: In der Vorwoche musste die Zentralbank die angeschlagene Trust-Bank vor der Pleite retten. Nun hat sich herausgestellt, dass das Rettungspaket nicht ausreicht. Statt ursprünglich 30 Mrd. Rubel sind nun 99Mrd. Rubel (1,6 Mrd. Euro) erforderlich. Zusätzlich soll die Otkritie-Bank, welche die Geschäfte der Trust-Bank übernehmen soll, eine Finanzspritze von mehreren Milliarden Rubel erhalten. Damit erhöhen sich die Rettungskosten auf umgerechnet zwei Milliarden Euro. Zur Finanzierung werden die Gold- und Devisenreserven der Zentralbank herangezogen. Doch die Vorgänge bei der Trust Bank dürften erst der Anfang sein. Finanzminister Anton Siluanow erwartet für 2015 weitere Bankencrashs.

Schuld daran sind der niedrige Ölpreis, die westlichen Sanktionen gegen Russland wegen der Vorgänge in der Ostukraine und auf der Krim sowie der massive Verfall des Rubel. Das alles reißt nicht nur Banken, sondern auch viele Firmen in den Abgrund. Die Ratingagentur Standard&Poor's droht Russland mit einer Herabstufung auf Ramschniveau.

 

Kreditzinsen bei 20 Prozent

Voraussichtlich Mitte Jänner will die Agentur ihre Entscheidung bekannt geben. Wird Russland tatsächlich herabgestuft, verteuert sich für das Land erneut die Kreditaufnahme. Im Kampf gegen den Rubel-Verfall hob die russische Zentralbank den Leitzins auf 17Prozent an. Damit seien die Zinsen für Kredite in Russland auf mehr als 20 Prozent gestiegen, was die Lage für Firmen schwierig mache, sagte der russische Wirtschaftsminister, Alexej Uljukajew.

Seit Jahresbeginn hat der Rubel rund 50 Prozent des Werts zum Dollar und Euro verloren. Laut Finanzminister Anton Siluanow könnte die Wirtschaftsleistung im nächsten Jahr um vier Prozent schrumpfen, sollte der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau von rund 60Dollar pro Fass bleiben.

Wie explosiv die Lage ist, zeigt sich auch anhand folgender Daten: In Summe haben russische Firmen und Banken im Ausland einen Schuldenberg von umgerechnet 490 Milliarden Euro angehäuft. Davon müssen 82 Milliarden Euro im nächsten Jahr zurückgezahlt werden. Wie das gehen soll, ist offen. Denn durch die Sanktionen haben russische Staatsfirmen nur noch einen eingeschränkten Zugang zu den westlichen Kapitalmärkten. Gleichzeitig machen internationale Investoren um die Börse in Moskau einen weiten Bogen. Im Zuge der Krise ist der russische Aktienmarkt abgestürzt. Nun hat die russische Zentralbank angekündigt, dass sie Firmen mit hohen Schulden im Ausland bei der Rückzahlung unterstützen wird.

Russlands Präsident, Wladimir Putin, zeigt sich trotz der Turbulenzen siegessicher. Er ist davon überzeugt, dass sein Land auch eine längere Krise überstehen kann. Zur Stützung des Rubel musste die russische Zentralbank heuer 80 Milliarden US-Dollar ausgeben. Damit sind die Gold- und Devisenreserven zwar auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gesunken. Doch die Zentralbank verfügt noch immer über Reserven von 399 Milliarden Dollar. Diese sollen zur Unterstützung der Wirtschaft herangezogen werden.

 

Auswirkungen auf Österreich

Die Krise in Russland wirkt sich auch auf österreichische Unternehmen und Banken aus. Die Ratingagentur Moody's hat in der Vorwoche die Raiffeisen Bank International (RBI), die RZB und mehrere Raiffeisen-Landesbanken in Österreich herabgestuft. Begründet wurde dies mit den erhöhten Risken in Russland. Denn bislang gehörte die Moskauer Tochter für die RBI zu den wichtigsten Ertragsbringern im Ausland. Heuer wird die RBI aber erstmals in der Geschichte einen Jahresverlust verbuchen. Dies wirkt sich wegen der geringeren Dividendenausschüttungen auch auf die Raiffeisen-Landesbanken aus.

Die Ratingagentur Moody's droht auch mit einer Herabstufung der Bonität der Bank Austria. Denn auch für diese gehörte die Russland-Tochter in der Vergangenheit zu den wichtigen Ertragsbringern.

Die börsenotierte Immofinanz schlug schon Mitte Dezember Alarm. Der Verfall der russischen Währung könnte die Gewinne in den kommenden Quartalen „deutlicher als bisher“ schmälern, erklärte Immofinanz damals. Daher sei es offen, ob die Aktionäre für das laufende Geschäftsjahr 2014/15 eine Dividende erhalten. Immofinanz betreibt fünf Shoppingcenter in Moskau. In der Vorwoche bot Immofinanz den dortigen Mietern Unterstützung gegen den Rubel-Verfall an.

In Russland kommt es immer mehr zu Panikkäufen. In St.Petersburg haben die Behörden nun sogar den Verkauf der U-Bahn-Jetons rationiert. Die Jetons werden gehortet, denn ab 1.Jänner sollen die Preise für U-Bahn-Fahrten angehoben werden.

AUF EINEN BLICK

Für die in Russland tätigen Bankenwird die Lage immer schlimmer. Die Zentralbank hat bereits die Trust-Bank vor der Pleite gerettet. Nun stellt sich heraus, dass die Rettungskosten deutlich höher sind, als bislang angenommen wurde. Der Finanzminister erwartet für 2015 weitere Bankencrashs. Die Ratingagentur Standard & Poor's droht Russland mit einer Herabstufung auf Ramschniveau.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2014)