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Juweliere schürfen selbst

Ohne Zwischenhandel kommen die Schmuckproduzenten günstiger an die wertvollen Steine. Sie investieren selbst in Minen.

Hongkong/New York. Da die meisten Diamanten nahe der Erdoberfläche ausgegraben wurden und nur wenige Gruben noch wachsen, müssen sich Tiffany und Co. einen schrumpfenden Kuchen teilen. Das lässt die Juweliere kreativ werden: Sie gehen selbst auf die Minenbetreiber von der kanadischen Arktis bis zur Wüste Kalahari zu.

Tiffany hat die Richtung vorgegeben. Der New Yorker Schmuckhersteller investierte 2011 in eine Mine in Sierra Leone und vereinbarte eine Reihe von Kaufverträgen für die künftige Produktion mit Projekten von Südafrika bis Kanada. Der zweitgrößte Luxusschmuckhändler der Welt erhält seinem Jahresbericht zufolge nun 60 Prozent seiner Diamanten direkt von den Minen.

Jetzt macht es der weltgrößte börsenotierte Juwelier, Chow Tai Fook aus Hongkong, Tiffany nach und lotet Investitionen in einzelne Bergwerke in Kanada und andernorts aus. Wie Geschäftsführer Adrian Cheng erklärte, schaue sich sein Unternehmen Projekte in Kanada an, um dort womöglich Anteile zu erwerben. Von Südafrika sei das Unternehmen wegen der politischen Unwägbarkeiten allerdings abgekommen. „Wir müssen die politischen Risken, die wirtschaftlichen Risiken, den Personaleinsatz abwägen – es ist keine leichte Entscheidung.”

Früher waren die großen Edelschmuckhändler weitgehend dazu gezwungen, sich auf De Beers zu verlassen. Die Tochter von Anglo American hatte einst fast das Monopol im Diamantenhandel inne und kontrolliert noch immer etwa 37 Prozent aller gehandelten Rohdiamanten. Der neue Trend ermögliche den Einzelhändlern, „die Diamanten zu einem besseren Preis” zu bekommen und sicherzugehen, dass sie auch in Zukunft Zugang zu den Edelsteinen haben werden, sagt Des Kilalea, Analyst von RBC Capital Markets in London.

Ein weiterer Grund, warum sich die Juweliere engeren Kontakt zu ihrer Lieferquelle wünschen, sind sogenannte Blutdiamanten, mit deren Erlösen in Afrika blutige regionale Konflikte finanziert wurden. Die Verwendung von Blutdiamanten soll durch den direkten Kontakt ausgeschlossen werden. Die Diamantenproduktion erreichte 2006 ihren Höhepunkt, als 176 Mio. Karat abgebaut wurden, und fiel im vergangenen Jahr auf etwa 146 Mio. Karat. Das knappe Angebot hat die Preise in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent steigen lassen. (Bloomberg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2014)