Wackelt Sessel von Bischof Schwarz?

(c) APA (Robert Newald)

Erzkonservative Kreise bringen Linzer Bischof Schwarz in eine ernste Situation. Schwarz selbst hat soeben eine besonders aufreibende Sitzungs-Woche hinter sich gebracht.

LINZ. Wackelt der Sessel des Linzer Bischofs Ludwig Schwarz? Wird er nach Rom berufen? An die Kurie? Oder zurück in eine führende Position seines Salesianer-Ordens? Schickt ihm der Vatikan einen „Helfer“ in Gestalt eines Koadjutors, der dann das Nachfolgerecht hätte? Sicher ist: Einflussreiche erzkonservative Kreise versuchen derzeit – von der Öffentlichkeit bisher unbemerkt – alles, den Bischof aus Linz wegzubekommen.

 

Probleme mit Friedl und Wagner

Die Situation für Schwarz ist ernst. So ernst, dass sich sogar Kardinal Christoph Schönborn einschaltet. Er will seinen früheren Weihbischof (2001–2005) halten. Erst jüngst ist der Vorsitzende der Bischofskonferenz Schwarz mit einem bemerkenswerten Auftritt höchstselbst zur Seite geeilt. Schönborn war persönlich zu einem Treffen des Bischofskonsistoriums nach Linz gereist. Das Gremium der 20 höchsten Amtsträger der Linzer Diözese hat in seiner Anwesenheit (Schönborn ist auch Metropolit der Kirchenprovinz, der Oberösterreich angehört) die Situation nach dem „freiwilligen“ Verzicht des Windischgarstener Pfarrers Gerhard Maria Wagner beraten. Seit diesem Rücktritt vor dem Amtsantritt ist der konservative Flügel Oberösterreichs schwer getroffen. Er ist mächtig – und holt nun zum Gegenschlag aus.

Schwarz selbst hat soeben eine besonders aufreibende Sitzungs-Woche hinter sich gebracht. Am Montag mit Pfarrer Josef Friedl, der sich zum Leben mit einer Frau im Pfarrhof bekennt. Am Donnerstag mit den Dechanten, die nicht mehr an die Aufrechterhaltung des Zölibats glauben. Erst gestern, Freitag, mit dem Priesterrat, der wenig bis kein Verständnis für die Vorgänge um Fast-Weihbischof Wagner hat.

„Servite domino in laetitia“, „Dienet dem Herrn in Freude“ lautet der bischöfliche Wahlspruch von Schwarz. Freude? Derzeit leidet der 68-jährige Hirte unter der Situation. Im Stillen und alleine. Denn Schwarz hat es bei seiner Übersiedlung von Wien nach Linz verabsäumt, Vertrauensleute mitzunehmen; das bestehende Personal wurde unverändert von Vorgänger Maximilian Aichern übernommen. Nach außen bleibt Schwarz, wenn er beispielsweise aus seinen Privaträumen im ersten Stock des Bischofshofs kommend von Journalisten erwartet wird, höflich und freundlich, fast sanft. „Ich freue mich“, hört man von ihm oft, wenn er Hände schüttelt. Von einem früheren Mitarbeiter wird er als „herzensguter Mensch“ beschrieben. Das mag auch sein Hauptproblem sein. Er will es allen recht machen.

Am Beispiel des Ungenacher Pfarrers Friedl: Schwarz enthebt den Zölibatsverweigerer zwar von seiner Funktion als Dechant, was diesen nicht wirklich stört, belässt ihn aber im Priesteramt. Was ihm als ein Zeichen der Schwäche ausgelegt wird. Von beiden Seiten, Progressiven wie Konservativen, in der katholischen Kirche.

Dabei war der Auftrag Roms für Schwarz eigentlich gewesen, die Diözese zu einen, Extreme in die gemeinsame Mitte zu führen. Seit Jahren gibt es unter Oberösterreichs Katholiken einmal heftigere, dann wieder sanftere Auseinandersetzungen um die (starke) Rolle von Pastoralassistentinnen, Taufen durch Laien und tatsächliche oder vermeintliche Fehlentwicklungen in der Liturgie.

 

Einflussreiche Freunde

Dabei könnte Schwarz Kritik von hüben wie drüben sehr gelassen über sich ergehen lassen. 1984 bis 1999 konnte er in Rom als Universitätsprofessor wertvolle Kontakte knüpfen und Seilschaften aufbauen. Unter anderem zu einem Ordensbruder names Tarcisio Bertone. Der ist mittlerweile auf der katholischen Karriereleiter weiter geklettert – höher als Schwarz. Bertone ist heute als Kardinal-Staatssekretär die Nummer zwei hinter Papst Benedikt XVI. Freilich ist sein Wirken nicht unumstritten. Ob es den Linzer Bischof tröstet oder ängstigt, dass es derzeit seinem Freund ähnlich ergeht?

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