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„Ostalgie“: Konserven gehen nicht mehr rund um den Globus

Ungarische Konservenfabrik beendet Produktion.

WIEN(p.m.). Wer je gefülltes Kraut oder „sólet“-Bohneneintopf aus der Dose gekostet hat, wird bedauernd zur Kenntnis nehmen: Die „fleischliche“ Produktion in der Budapester Konservenfabrik Globus ist ab sofort eingestellt.

Als 1882 die Brüder Weiss in Budapest eine Fleischverarbeitung gründeten, zielten sie auf zwei Käuferschichten: Sie wollten „haltbar gemachtes Fleisch für bürgerliche Kunden luftdicht verschließen“, und die k. u. k. Armee brauchte Unmengen an Konserven. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden drei Fabriken übernommen. In der KP-Ära war die verstaatlichte Marke im Westen vor allem durch ihre Gänseleber berühmt. In Ungarn waren Gemüse und Fertiggerichte im Glas, später in der Dose gefragt. Während Konkurrenten wie Aranyfácán (Goldener Fasan) reihenweise zusperrten, hielt die ab 1993 börsenotierte Globus mit verschiedenen Eigentümern durch.

Bis 2006 die „Zentrale Bretonische Agrarkooperative“ Cecab die Mehrheit übernahm. 2007 sollte zum Jahr des Umbaus werden. Dosen und Etiketten wurden modernisiert, die Produktionen rationalisiert. Böse Zungen meinen auch eine Vereinheitlichung des Geschmacks verspürt zu haben.

Die Nachfrage sei in den letzten Monaten rasant gesunken, begründete die Firmenleitung die Schließung. Die Ankündigung sei „absichtlich für die Zeit der Wirtschaftskrise terminisiert“ worden, klagten hingegen zwei Gewerkschaften am Freitag.

Die Globus-Schließung sei eine Etappe in einem langen Prozess, sagte Tamás Éder, Verbandspräsident der Lebensmittelverarbeiter, zur Zeitung „Népszabadság“. Die Branche sei zu wenig wettbewerbsfähig und verliere auch den Binnenmarkt. Warum? Fremde Eigentümer ersetzten ungarische Produkte oft durch eigene. Die Bretonen sind nicht nur Frankreichs Marktführer bei Gemüsekonserven, sondern wollen auch den Osteuropa-Export pushen – mit Fleisch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2009)