Strafaktion der Abgeordneten für AIG; Citigroup will mit zehn Millionen Dollar Chefbüros umbauen.
Washington/wien (rie/ag.). Lange werden sie sich über die Designentwürfe nicht freuen können: Um zehn Millionen Dollar will die Citigroup die Büros in ihrer Führungsetage umbauen lassen – mit großen Ledersesseln, einem Tiefkühlschrank, Edelholzregalen. Für des Steuerzahlers Geld ist der Bankengruppe anscheinend nichts zu teuer: Vor wenigen Monaten musste die Finanzgruppe nämlich beim Staat um 45 Milliarden Dollar ansuchen, um vor der Pleite gerettet zu werden.
Der Zeitpunkt der Umbaupläne kommt äußerst ungünstig. Denn derzeit richtet sich der Volkszorn in den USA gegen alle Manager und Firmen, die auch nur einen Cent der staatlichen Unterstützung für etwas anderes ausgeben, als für die Rettung ihres Unternehmens.
Zu spüren bekamen das in der Nacht auf Freitag die Führungskräfte des Versicherungsriesen AIG, die sich mit 165 Millionen Dollar Bonuszahlungen dafür belohnen wollten, dass sie im Jahr 2008 Rekordverluste geschrieben hatten, und vom Staat 170 Milliarden Dollar an Zuschüssen benötigten. Nach tagelanger Empörung über die Unverfrorenheit, die sogar Präsident Barack Obama „fassungslos“ zurückließ, wie er erklärte, handelte der US-Kongress in der Nacht auf Freitag: Das Repräsentantenhaus verabschiedete mit 323 zu 93 Stimmen eine Vorlage, die eine Steuer von 90 Prozent auf Prämien von Managern vorsieht, deren fixes Einkommen mehr als 250.000 Dollar beträgt. Gemünzt ist die Vorlage auf AIG, treffen soll sie aber alle Unternehmen, die mehr als fünf Milliarden Dollar Staatshilfe bekamen.
Noch muss der Senat zustimmen, um das Vorhaben Gesetz werden zu lassen. Dort will man sich aber mit einer „nur“ 70-prozentigen Steuer begnügen.
Barack Obama, der in der Nacht auf Freitag als erster US-Präsident in der NBC-Late-Night-Show von Jay Leno auftrat, meinte, die Menschen müssten wieder lernen, „wann es genug ist“. Das Problem im System sei aber, „dass das meiste, das passiert ist und uns in Probleme brachte, völlig legal war“. Deshalb müsse man die Gesetze ändern.
Was Citigroup und ihren Büroumbau betrifft: Nachdem eine amerikanische Zeitung vorrechnete, dass man für das Geld 44 Volksschullehrer für sechs Jahre anstellen könnte, „überdenkt“ die Finanzgruppe die Umgestaltung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2009)