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Philharmonischer Klang sucht adäquate digitale Technologie

Weltweit scheint die Ära der Compact Disc zu Ende zu gehen. Was kommt danach? Während der Suche feiert die Schallplatte ihr Comeback.

Hellhörige Musikfreunde werden bei einem Satz des neuen Orchestervorstands der Wiener Philharmoniker, Andreas Großbauer, im jüngsten „Presse“-Interview aufgehorcht haben: Der Musiker und neuerdings Orchestermanager verfolgt auch die Entwicklung der technischen Möglichkeiten der Musikreproduktion genau und fürchtet, dass die CD, wie viele Kenner schon behauptet haben, ein Auslaufmodell sein könnte.

Die jüngsten Nachrichten aus den USA, wo nun einmal die Trends vorgegeben werden, untermauern diese These. Der Verkauf der Silberscheiben geht kontinuierlich zurück. Zwar ist sie derzeit nach wie vor das führende Trägermedium, doch läuft ihr die weltweite Internet-„Ladetätigkeit“ langsam den Rang ab.

Längst gibt es Dienste, die es möglich machen, digitale Aufnahmen in weit höherer „Auflösung“ abzuspielen, als die CD tragen kann. Wenn Symphonieorchester heutzutage in der vorderen Reihe stehen wollen, müssen sie nolens volens auf die technische Qualität des Materials Rücksicht nehmen, das sie ins Netz stellen lassen. Das Stammhaus der Philharmoniker gibt ja diesbezüglich ein Beispiel: Die Wiener Staatsoper bietet Live-Streaming auch optisch in Spitzenqualität. High Definition ist das Stichwort.

Amüsant, dass sich im Hinblick auf die akustische Komponente ein scheinbarer Rückschritt – wie das manchmal so geht – als avantgardeträchtig erweist: Die Schallplatte feiert ihr Comeback. Auch diesen Trend bestätigen die amerikanischen Verkaufszahlen: Vinyl ist im Kommen.

Unter Kammermusikern hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass es in Wien (bei Preiser) noch ein völlig intaktes Analogstudio gibt. Und eine Traditionsfirma wie die Deutsche Grammophon hat längst reagiert. Sie presst nicht nur ihre Neuaufnahmen, sondern auch Wiederauflagen auf CD und auf LP. Das hat seinen Grund: Viele Hörer empfinden die Klänge, die von der schwarzen Scheibe kommen, als natürlicher, als farbenreicher – und sind bereit, aus diesem Grund wieder in Plattenspieler zu investieren.

Im audiophilen High-End-Bereich hat die Liebe zum analogen Klang ja nie aufgehört. Dem tragen die jüngst durch LP-Wiederauflagen angereicherten Kataloge der Plattenfirmen Rechnung. Auf Deutsche Grammophon kamen jüngst Aufnahmeklassiker wie das Tschaikowsky-Konzert mit Swjatoslaw Richter und Herbert von Karajan (wohl die berühmteste Aufnahme der Wiener Symphoniker!), das prächtige Schubert-Quintett mit den Emersons und Mstislav Rostropowitsch und Dvoráks Neunte mit den Berliner Philharmonikern unter Rafael Kubelik wieder in den Handel.

Auf 180-Gramm-Vinylscheiben gepresst vermitteln diese zu Recht berühmten Interpretationen ein betörendes Klangbild – allein Pianissimo-Beginn und -Ende der Seite eins der Dvorák-Platte werden dem Connaisseur als Testbeispiele genügen: Wie rund und satt solche, scheinbar aus dem Nichts geborenen Streicherakkorde tönen können...

E-Mails an: wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2015)