Der Automobil-Zulieferer will nach eigenen Angaben vermeiden, "in den Wahlkampf gezogen zu werden" und bittet um Staatshilfe. Bis zu sechs Milliarden Euro könnte Schaeffler benötigen.
In die Bemühungen um die Rettung des Automobilzulieferers Schaeffler kommt neue Bewegung. Der finanziell angeschlagene Familienkonzern habe den Gläubigerbanken mittlerweile seinen seit längerem erwarteten Sanierungsplan vorgelegt, sagte Miteigentümer Georg Schaeffler in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", das am Samstag bekanntwurde. "Wir hoffen, dass sie schnell auf unser vorgeschlagenes Konzept reagieren, weil wir vermeiden wollen, in den Wahlkampf gezogen zu werden", erklärte er.
Mit Continental-Übernahme übernommen
Der fränkische Wälzlagerhersteller, der sich mit der Übernahme des drei Mal größeren Autozulieferers Continental verhoben hat, bittet um Hilfen der Öffentlichen Hand. Georg Schaefflers Mutter Maria-Elisabeth machte deutlich, dass sie den Staat in der Pflicht sieht. "Unser Fehler war, dass wir die Zukunft falsch eingeschätzt haben", räumte sie zwar ein. Der in seiner Schärfe nicht absehbare Abschwung der Weltwirtschaft sei aber zum Teil politisch und zum Teil durch die Banken verschuldet. "Insofern steht auch der Staat in einer Verantwortung", sagte Frau Schaeffler in dem Interview. Sie bekräftigte, dass Schaeffler ein im Kern gesundes Unternehmen sei, das die Hilfen mit Zinsen zurückzahlen werde, sobald die Wirtschaftskrise vorüber sei.
Wegen der hohen Schuldenlast nach der Conti-Übernahme und wegbrechender Aufträge aus der Automobilindustrie braucht Schaeffler früheren Angaben zufolge frisches Kapital von bis zu sechs Milliarden Euro. Die Politik will erst dann über Staatshilfen entscheiden, wenn der Konzern ein überzeugendes Sanierungskonzept vorweisen kann.
Anteil-Verlust an Banken droht
Der Eigentümerfamilie droht der Verlust von großen Teilen des Unternehmens an die Gläubigerbanken. Die wahrscheinlichste Option zur Sicherung des Überlebens der Firma ist Finanzkreisen zufolge das Umwandeln von Schulden in Eigenkapital. Wie viel der Familie dann noch bleibt, ließ Georg Schaeffler offen. Er räumte ein, dass die Beteiligung auf unter zehn Prozent sinken könnte, wenn man den aktuellen Marktwert des Unternehmens zugrundegelegt. Er plädierte aber dafür, bei der Bewertung von Schaeffler "wesentlich die realistisch zu erwartenden Zukunftserwartungen für einen bestimmten Zeitraum nach der Krise" mitzuberücksichtigen. Seine Mutter machte erneut deutlich, dass die Familie der beste Garant für die Arbeitsplätze sei und sie daher das Unternehmen ohne Zwang niemals verkaufen oder zerschlagen werde.
In der politischen Debatte um eine Rettung von Schaeffler war auch das öffentliche Auftreten vom Maria-Elisabeth Schaeffler auf Kritik gestoßen, nachdem sie in Medien mitunter im noblem Pelzmantel zu sehen gewesen war. "Man kann nicht im Nerzmantel nach Staatshilfe rufen", hatte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) gesagt. Frau Schaeffler gab zu, sie habe es Kritikern leicht gemacht, aus ihren Auftritten "populistisch Kapital zu schlagen". Es sei jedoch "schwer zu ertragen, so als vermeintliche Milliardärin stigmatisiert, mit Häme überschüttet und auf den Kleiderschrank reduziert zu werden".
(Ag.)