Prüller: "Bin nicht zu alt, senil und deppert"

Der Formel 1 bleibt Heinz Prüller auf jeden Fall erhalten. Auch ohne ORF.

Herr Prüller, Sie kommentierten seit 1965 über 700 GP und gelten als TV-Ikone, Ihr ORF-Vertrag wurde aber nicht verlängert. Bleiben Sie jetzt für immer in der „Box“?

Heinz Prüller: Ich bin natürlich weiter in der F1 tätig und in Melbourne dabei. Ich werde sicher wieder etwas im Fernsehen machen, aber nicht mehr im ORF – dort will man mich ja nicht mehr!


Diese Form der Trennung soll Sie relativ hart getroffen haben.

Grundsätzlich hat jeder Chef das Recht, sich seine Mitarbeiter auszusuchen. Altersgrenzen gibt es auch, ich bin 67, dazu laufen beim Sender Sparmaßnahmen. Aber man kann nicht sagen, Prüller ist zu alt, senil und deppert. Es ist eine Qualitätsfrage! Jackie Stewart hat im Vorwort eines Buches geschrieben: Heinz is the most well informed Journalist in the world today. So ein Trottel kann ich also nicht sein!


Aber alles im Leben hat ein Ende. Jeder Grand Prix, jede Übertragung...

Irgendwann ist Schluss, gar keine Diskussion! Schumacher hat 91GP gewonnen, Lauda war drei Mal Weltmeister, und ob ich jetzt 800 GP oder 43 Saisonen habe, ist auch wurscht. Mich ärgert aber wahnsinnig, dass dem Zuschauer etwas vorenthalten wird. Ich habe die F1 nicht erfunden, aber ich hatte mit Ecclestones Erlaubnis den „man of the race“ geschaffen. Den hatte mir die Redaktion abgewürgt.


Abgewürgt? War es eine Folge dessen, dass Sie mit Ihren Storys auch sehr polarisierten?

Elmar Oberhauser hat oft angerufen und gesagt: Ich schmeiße Sie hinaus, wenn Sie noch eine Hintergrundgeschichte erzählen! Was sollst denn anderes erzählen, wenn nicht überholt wird? Und, es waren ja keine Blödheiten, sondern Fakten. Wie: Schumacher hatte all seine Kollisionen in Rechtskurven – immer mit Williams-Piloten...


Wie würden Sie reagieren, wenn die F1-Quoten nun in die Höhe schießen?

Wenn sie hinaufschießen, war es vom ORF die richtige Entscheidung. Wenn nicht, war's falsch. 1984 fehlte ich in Hockenheim, ich war bei den Spielen in Los Angeles. Beim Kundendienst gab es 800 Beschwerden. „Wo ist Prüller?“


Wäre es ein Skandal, wenn die Stimmenimitatoren Rolf Lehmann und Alex Kristan Ihnen jetzt beim ORF nachfolgten?

Nein, ich verstehe mich mit allen gut. Wir machen gemeinsam viele Shows.

Fühlen Sie sich geschmeichelt, wenn Ihre Sager parodiert werden, oder stört es Sie?

Bruno Kreisky hat man auch oft verunglimpft – er hat sich nie aufgeregt, was soll also ein Würstel wie ich tun? GEPA

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2009)

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