Fed inflationiert den Dollar

Der US-Dollar wird von der Notenbank Fed weich geklopft. Das stutzt die jüngsten Kursgewinne amerikanischer Aktien zusammen.

Vorige Woche war an dieser Stelle zu lesen, die US-Börsen seien derzeit der bessere Tipp als die europäischen Aktienmärkte, sie hätten kurz und mittelfristig schlicht das größere Potenzial. Daran hat sich im Prinzip nichts geändert.

Diese Woche ist aber ein entscheidender Risikofaktor hinzu gekommen: Die amerikanische Notenbank hat sich mangels anderer Alternativen zur Krisenbekämpfung entschlossen, den Dollar zu inflationieren. Und zwar ordentlich: Wie berichtet werden rund 1000 Milliarden „frisch gedruckte“ Dollars in den Finanzkreislauf gepumpt. Das hat den Kurs der amerikanischen Währung gegenüber dem Euro naturgemäß ganz schön unter Druck gebracht.

Für Österreicher, die an US-Börsen anlegen, ist das eine ziemlich schlechte Nachricht. Sie tauschen beim Verkauf ihre Dollar-Aktien ja gegen Euros – und kriegen auf diese Weise die Dollarschwäche eins zu eins umgehängt. Das sollte man nicht unterschätzen: Der Wochen-Kursgewinn unserer vorwöchigen Empfehlung Stec (etwas mehr als 10 Prozent) ist durch den gleichzeitigen Dollarkursverfall um etwas mehr als fünf Prozent praktisch zur Hälfte aufgefressen worden.

Wer immer vorhat, in US-Wertpapieren anzulegen, sollte also bei seinen Kalkulationen immer auch den „Greenback“ im Hinterkopf haben. Experten meinen, dass es da durchaus noch eine Menge Abwärtspotenzial gibt. Kurzfristig ist zwar Entspannung angesagt (am Freitag gab es sogar eine leichte Gegenbewegung), Analysten meinen aber, das die Marke von 1,40 Dollar für einen Euro (derzeit sind es rund 1,36) bald fallen könnte. So scharfe Sprünge wie diese Woche dürfte es freilich so bald nicht mehr geben.

Trotzdem: US-Aktien (ebenso wie US-Anleihen) sind eine Doppelspekulation – auf Kurse und Währungsrelationen. Wer das nicht mit einkalkuliert, wird schnell böse Überraschungen erleben. Die Dynamik vor allem bei Technologieaktien ist derzeit aber offenbar stärker als das Abwertungspotenzial der Währung. Der amerikanische Nasdaq-Composite Index ist seit Jahresbeginn währungsbereinigt (also auf Euro-Basis) nur um knapp drei Prozent gefallen, während die wichtigsten europäischen Indizes trotz der jüngsten Kursanstiege noch mit 9 bis 17 Prozent im Minus liegen (wobei die neun Prozent den Wiener ATX betreffen).

Es ist also nicht verfehlt, sich amerikanische Technologie-Blue-Chips näher anzuschauen. Beispielsweise die Aktie des Computer-, ipod- und iphone-Herstellers Apple (US0378331005). Die ist im Vorjahr wohl eindeutig zu weit hinuntergeprügelt worden. Und marschiert seit ein paar Wochen unspektakulär, aber konstant nach oben. Der Trendfolgeindikator MACD (siehe Chart in der Rubrik „Anlegerwissen“ auf dieser Seite) hat zwar schon vor mehr als einer Woche bei rund 92 Dollar ein Kaufsignal generiert (in der Zwischenzeit ist schon der Hunderter geknackt), die Kurve zeigt aber, dass der Trend nicht nur immer noch intakt ist, sondern sich sogar verstärkt. Da ist das durchschnittliche Mittelfrist-Kursziel von 122 Dollar, das die meisten amerikanischen Analysten der Aktie zutrauen, bald in Reichweite. Und bei allen nach den Ereignissen des Vorjahres durchaus berechtigten Vorbehalten gegen veröffentlichte Analysen von Wertpapierhäusern: Annähernd drei Viertel der US-Analysten, die Apple „covern“, haben die Aktie derzeit auf „strong buy“ oder „buy“. Eine Quote, die in jetzt nicht viele Aktien erreichen.

Allerdings: Apple-Aktionäre sollten nicht nur auf Trendfolgeindikatoren oder Fundamentaldaten schauen. Der Kurs wird auch extrem beeinflusst vom Gesundheitszustand des kranken Firmengründers Steve Jobs. Schlechte Nachrichten aus dem Krankenakt haben das Papier schon ein paar mal recht heftig nach unten geschickt.

josef.urschitz@diepresse.com 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2009)

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