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Temperament und Traktorschein: Hommage an das Großmütterchen

Symbolbild(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
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Die Südoststeirerin Franziska Hatz ist am Akkordeon eine Frohnatur. Und als Sängerin das wilde Herz des Großmütterchen Hatz Salon Orkestar.

Leichten Herzens, aber mit ganzer Seele wirbelt das Großmütterchen Hatz Salon Orkestar die mannigfaltigsten, musikalischen Ästhetiken durcheinander. Im Mittelpunkt steht dabei Franziska Hatz, Akkordeonistin, Tänzerin und Sängerin, die aus Überzeugung größtenteils mit geschlossenen Augen singt. Egal ob Klezmer oder Balkansound, Tango oder Jodelei, ihr Temperament lässt sich auf die wunderbarsten Metamorphosen ein.

Hatz stammt aus dem südoststeirischen Grenzland. Das klingt romantischer, als es in Wirklichkeit war. „Die kulturellen Ereignisse meiner Kindheit waren vom Kirchenkreislauf und den Aktivitäten der freiwilligen Feuerwehr geprägt. Außerdem hat man früh mitbekommen, dass man SPÖ-Feiertage nicht zelebriert. Am 1. Mai ging man zum Trotz aufs Feld.“ Aber dann gab es doch da und dort einen engagierten Kulturreferenten und interessante Grenzlandfestivals, die in Hatz die Freude am multikulturellen Stöbern und Forschen auslösten.

Reich waren ihre in Kernöl und Wein machenden bäuerlichen Eltern nicht, aber jedes der fünf Kinder, das ein Musikinstrument lernen wollte, sollte auch eines bekommen. Anfangs war es schwierig, die Sechsjährige unter ihrem riesigen Akkordeon auszumachen. Aber ihre flinken Finger an der Tastatur sorgten rasch dafür, dass sie das rechte Maß an Zuwendung bekam. „Das Akkordeon war eigentlich ein kurioses Erbstück. Normalerweise hat man im Steirischen ja die diatonische Knöpferlharmonika“, erzählt sie, deren sprudelnder Redefluss oft durch herzhaftes Lachen unterbrochen wird.

 

Nach Wien als Sozialarbeiterin

Dieser Frohsinn muss auch damit zu tun haben, dass sich ihr Großmütterchen Hatz Salon Orkestar nach nur zwei – formidablen – Alben recht gut etabliert hat. Den Aufstieg konnte auch die sinkende Nachfrage nach Balkansounds nicht verlangsamen. „Wir haben zunächst mit Balkan und Klezmer begonnen, sind aber recht bald auf unsere eigenen Sachen gekommen. So merken wir den Abschwung nicht. Es ist halt manchmal ein Glück, wenn man zwischen allen Stühlen sitzt.“

Ihr wichtigster Partner im wetterwendischen Gewerbe ist der Saxofonist Richie Winkler, ein Musiker, der sich in den renommierten Kombos von Sandy Lopicic und Shantel einen Namen gemacht hat. Aufgefallen ist er ihr in ihrer Grazer Zeit, als sie viel mit Chören gearbeitet hat. „Er hat mich angesteckt mit dieser lebhaften Weltmusik. Zunächst habe ich am Akkordeon die Riffs und Melodien gespielt und war überrascht, wie gut das funktionierte.“

Der erste, etwas zaghafte Auftritt auf einer Party markierte den Beginn einer Karriere, die so nie geplant war. „Nach Wien kam ich, um als Sozialarbeiterin den Master zu machen. Als Ausgleich zum Prüfungsstress hab ich das Akkordeon zur Hand genommen.“ Heute kann sie, mittlerweile mit Winkler verheiratet, von ihrer Musik leben. Begonnen hat das Großmütterchen Hatz Salon Orkestar – das heute, Donnerstag, Abend in der Wiener Sargfabrik spielt – mit Bearbeitungen von Traditionals aus allen Windrichtungen. Mit dem kürzlich veröffentlichten Album „Terry Goes Around“ liegt der Fokus nun auf vitalen Eigenkompositionen.

So beschwingt und groovy das Gros ihres Repertoires klingt, der Bandname ist doch recht sperrig. Wie kam man darauf? „Tja, man muss sich halt Zeit nehmen für uns“, sagt Hatz vergnügt. „Als wir noch namenlos waren, waren wir für eine Buchpräsentation im Café Korb engagiert. Ich hatte so ein Babuschka-Kleid an, und Babuschka, das bedeutet im Russischen Großmutter. Weil wir noch am selben Abend einen Namen brauchten, dachten wir uns spontan einen aus, in dem „Großmutter“ vorkam. Die war nämlich im wirklichen Leben sehr wichtig für meine musikalische Entwicklung.“

Wenn Hatz singt, dann mischt sie die Sprachen unbekümmert. Deutsch, Englisch, Jiddisch, Slowenisch, Portugiesisch, pure Lautsprache und herzhaftes Jodeln – alles geht da durcheinander. Ihren herzhaften Duktus liebt man mittlerweile in ganz Europa, ja selbst in Ägypten. Existenzängste muss sie keine mehr haben. Den Traktorführerschein hat sie schließlich auch noch.

Zur Person

Franziska Hatz (35) stammt aus einer Kernöl- und Weinbauernfamilie aus Pölten in der südsteirischen Gemeinde Klöch. Mit dem Großmütterchen Hatz Salon Orkestar mischt sie kühn Einflüsse aus Klezmer, Balkan, Tango, Jazz und heimischer Musik. 2011 erschien das Debüt „Gallato“, 2014 das famose „Terry Goes Around“. Heute, 20 Uhr, in der Sargfabrik, www.sargfabrik.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2015)