Skispringen: Abräumer und Abkassierer

(c) Gepa (Oskar Höher)
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Triumph im Gesamt- und Skiflug-Weltcup, 13 Siege, 333.200 € Preisgeld – das war Gregor Schlierenzauers Rekordsaison.

PLANICA/WIEN. Dass er im letzten Bewerb dieser Saison nur Fünfter geworden war, ärgerte den 19-jährigen Tiroler Gregor Schlierenzauer ungemein. Der beste Skispringer der Gegenwart ist eben ein Siegertyp, und obgleich er dem Finnen Harri Olli den Tagessieg in Planica gönnte, nichts wäre ihm lieber gewesen als auch bei dieser Zeremonie ganz oben zu stehen. Dennoch ist der Österreicher der Abräumer der Saison mit dreizehn Siegen und 20 Podestplätzen, den meisten Punkten (2083) der Geschichte sowie dem Triumph im Gesamt- und im Skiflug-Weltcup. Schlierenzauer springt in anderen Sphären. Sein Streben nach Erfolg ist aber noch lange nicht gestillt.

Tränen eines Teenagers

Dicke Tränen kullerten über die Wangen des Teenagers, nachdem er in Planica alle Auszeichnungen und Weltcup-Kugeln in Empfang genommen hatte. Er schluchzte, der Augenblick hatte ihn überwältigt. Erst als der letzte Sprung absolviert war, hatte er realisiert, was ihm in dieser Saison gelungen ist. „Das ist ein unheimlich großer Erfolg, der größte meiner erst so jungen Karriere“, suchte Schlierenzauer, der seine dritte Weltcup-Saison bestritt, nach Worten. „Ich bin doch erst 19 Jahre alt, es taugt mir. Das ist gewaltig.“

Die Dimension, in die der Stubaitaler vorgestoßen ist, wurde bis dato von keinem Skispringer erreicht. Neben steigenden Popularitätswerten und top-dotierten Werbeverträgen darf sich Schlierenzauer auch über die Preisgeld-Rekordsumme von 333.200 Euro (brutto) freuen. Eine Summe, die nicht einmal von den Stars der Alpin-Szene (siehe Grafik) erreicht werden konnte. Nur die Amerikanerin Lindsay Vonn (312.347 €) kam Schlierenzauer „nahe“.

Der bei seinem Weltcup-Debüt in der Saison 2006/2007 schon als „Wunderkind“ verehrte Sportler hat alle Erwartungen erfüllt und großteils auch übertroffen. In insgesamt 71 Bewerben hat er 24 Siege (noch einer fehlt auf den ÖSV-Rekord von Andreas Felder, Anm.) gefeiert und landete 41 Mal auf dem Podest. Parallel dazu ist der jüngste Skiflug-Weltmeister aller Zeiten (als 18-Jähriger in Oberstdorf 2008) als Mensch gewachsen. Ganz vollendet ist seine Rekordsaison trotzdem noch nicht. Auch bei seiner Matura in Stams muss er in diesem Jahr noch einen makellosen „Telemark“ setzen.

Sieg: Tournee, WM & Weltcup

Aber nicht nur Schlierenzauer sorgte dafür, dass der ÖSV weiterhin die Nummer 1 der Schanzen-Welt ist. Angesichts seiner Dominanz aber gerieten Erfolge bei der Vierschanzentournee (Wolfgang Loitzl) oder der WM (Einzel- und Team-Gold) in der Öffentlichkeit beinahe schon in Vergessenheit. „Wir sind ein Team“, beteuert Cheftrainer Alexander Pointner, „unsere Athleten sind als Persönlichkeiten miteinander groß geworden. Das erfüllt mich mit ganz besonderem Stolz.“

Ehe sich für wenige Wochen die Wege des Adler-Teams trennen, sollte mit einer Party in St. Johann/Alpendorf ein „grandioser Abschluss“, so Pointner, zelebriert werden. Nach dem wohlverdienten Urlaub gilt die Konzentration ab August wieder der Saisonvorbereitung, immerhin warten im Februar 2010 Olympische Spiele. „In der Erwartungshaltung liegt auch unser größter Anreiz“, sagt Pointner, „wir wollen unseren Stellenwert noch mehr aufpolieren.“

APA

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2009)

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