Reporting. Jahresberichte sind oft wenig aussagekräftig. Integrierte Berichte hingegen zeigen kompakt, wie sich Unternehmen positionieren, welche Ziele sie verfolgen, Chancen und Risken.
Wenn es um Texte geht, muss sich immer einer plagen: entweder der Schreiber oder der Leser. Bei Jahres- und Konzernabschlüssen, bei Lage-, Nachhaltigkeits- und Corporate-Governance-Berichten geht die Rechnung meist zulasten der Leser – ganz gleich, ob sie nun Share- oder sonstige Stakeholder sind. Zu umfangreich, zu kompliziert und inhaltlich zu wenig nutzenorientiert sind die oft mehrere hundert Seiten starken Berichte.
Doch das müsse nicht so sein, sagt Aslan Milla, Senior Partner von PwC und Berufsgruppenobmann der Wirtschaftsprüfer in der Kammer der Wirtschaftstreuhänder. Es gebe zwar eine Fülle von gesetzlich vorgeschriebenen Berichten für Kapitalgesellschaften, doch ein aussagekräftiger Bericht lasse sich auch auf 20 bis 40 Seiten erstellen: „Ich muss aus dem Bericht erkennen können, wie sich ein Unternehmen in der Gesellschaft positioniert, welche Ziele es verfolgt und mit welchen Chancen und Risken es konfrontiert ist.“
Lesefreundliche KPIs
Als Lösung bietet sich daher das Integrated Reporting an. Es geht auf eine Initiative des International Integrated Reporting Council (IIRC) aus dem Dezember 2013 zurück und ist eine Form der Kommunikation, bei der wesentliche finanzielle und nicht finanzielle Aspekte der vergangenen und zukünftigen Unternehmensleistung aufgezeigt werden.
Übersichtlich, kompakt und aussagekräftig. Noch aber ergänze diese Form des Berichts die gesetzlich vorgeschriebenen Berichte nicht, sondern stelle eine leserfreundliche Ergänzung dar.
Integrierte Berichte, sind sich die Wirtschaftsprüfer sicher, erhöhen die Aufmerksamkeit für wesentliche Leistungsindikatoren (KPI) des Unternehmens. Wohlgemerkt: Die relevanten KPI unterscheiden sich je nach Unternehmen. Bei einem Computerhändler seien andere KPIs wichtig als bei einem Unternehmen mit Produktionsstandorten in mehreren Ländern, sagt Milla.
Jedenfalls aber konzentriert sich das integrierte Reporting auf
- Kapitalformen, die ein Unternehmen verwendet und beeinflusst: Finanzkapital (Fremd- und Eigenkapital) und produziertes Kapital (etwa Gebäude, Ausstattung und Infrastruktur) Humankapital (Kompetenzen und Fähigkeiten der Menschen), wissensbasierte immaterielle Vermögenswerte, soziales Kapital (in Form von Beziehungen zwischen einem Unternehmen und der Gesellschaft) und das natürliche Kapital (nicht) erneuerbarer Umweltressourcen.
- Geschäftsmodell, das aus den verschiedenen Kapitalformen als Input mithilfe der Geschäftsaktivitäten in Output verwandelt. Und so
- Wertschöpfung erzeugt.
Mit integrierten Berichten würden die Unternehmen im eigenen Interesse handeln, ist Milla überzeugt. Das passiere dann, wenn Berichte auf Insidersprache verzichten. Eine wirtschaftliche Grundausbildung und Interesse am Unternehmen müssten dann ausreichen, um als Leser den Bericht erfassen zu können.
Zur Person
Achtung: Betriebsgeheimnis
Eines gibt Milla allerdings zu bedenken. Unternehmen, die integrierte Berichte abliefern, müssten förmlich ihr Herz ausschütten. Das sei insofern problematisch, als darin viel wettbewerbsrelevantes Wissen enthalten sei. Vorstände hätten daher ihre Vorbehalte, sagt Milla: „Das ist auf jeden Fall zu akzeptieren.“
Daher gelte es, die richtige Balance zu finden zwischen allgemeiner und konkreter Information. Das Unternehmen sollte seine Position in der Branche, seine Persönlichkeit darstellen und erklären: Das machen wir besser als unser Mitbewerber, weil wir es auf diese, unsere Weise machen.
Aslan Milla (58) ist Senior Partner von PwC Österreich und Berufsgruppenobmann der Wirtschaftsprüfer in der Kammer der Wirt-schaftstreuhänder. Er rät Unternehmen, ihre Berichte so lesbar zu gestalten, dass Share- wie Stakeholder Informationen gewinnen können, wie sich ein Unternehmen in der Gesellschaft positioniert, welche Ziele es verfolgt und mit welchen Chancen und Risken es konfrontiert ist.
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