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#JeSuisAhmed: Internet-Gedenken für ermordeten Polizisten

Solidaritätsbekundung für "Charlie Hebdo"Reuters
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Unter dem Hashtag "Ich bin Ahmed" formiert sich in sozialen Netzwerken eine Gegenbewegung zur virtuellen Solidaritätswelle rund um "Charlie Hebdo".

Der Twitter-Hashtag #JeSuisCharlie, der mittlerweile 3,5 Millionen Mal geteilt wurde, bekommt Konkurrenz: Mit #JeSuisAhmed und #JeSuisPolicier gedenken Internet-User der beiden bei dem Attentat am Mittwoch getöteten Polizisten. Auch ein schwarzer Banner mit den weißen Buchstaben „Ich bin Ahmed“ macht die Runde.

Der Slogan verbreitete sich im Laufe des Freitags rasant, nachdem der muslimische Aktivist Dyab Abou Jahjah folgende Kurznachricht über Twitter losgeschickt hatte: „Ich bin nicht Charlie, in bin Ahmed, der getötete Polizist. Charlie hat sich über meinen Glauben und meine Kultur lustig gemacht und ich starb, damit er das weiterhin tun kann.“ Der Tweet des Aktivisten wurde bereits mehr als 20.000 Mal geteilt.

Getöteter Polizist war 40 Jahre alt

Der Polizist Ahmed Merabet war nach Recherchen des „Guardian“ 40 Jahre alt, gläubiger Muslim und als Beamter im elften Arrondissement stationiert. Er wurde am Mittwoch gemeinsam mit einer Kollegin zum Tatort, dem Redaktionsbüro der Zeitschrift „Charlie Hebdo“, gerufen. Merabet wurde von einem Täter angeschossen. Er lag verwundet auf der Straße, die Hände hoch erhoben. Erschrocken fragte er den näher kommenden Täter: "Willst du mich töten?" Dann fällt ein Schuss aus allernächster Nähe, es ist ein Kopfschuss. Die brutale Szene ist auf einem YouTube-Video festgehalten.

In den sozialen Netzwerken wird in den kurzen Beiträgen unter dem Hashtag #JeSuisAhmed auch die Frage aufgeworfen, inwieweit die Pariser Satirezeitschrift wirklich ungeteilte Solidarität verdient hat - in gewisser Weise ist es eine virtuelle Gegenbewegung zur Kampagne für "Charlie Hebdo". In Postings werden die religionskritischen Cartoons von "Charlie Hebdo" kritisiert, sich über den Islam lustig zu machen, sei "nicht cool", heißt es etwa. Manche User sehen in dem – kurz nach den zehn Karikaturisten hingerichteten - muslimischen Polizisten den eigentlichen tragischen Helden des Massakers der Islamisten.

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