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Paris-Attentate: Die „Buttes-Chaumont“-Connection

Chérif Kouachi, Saïd Kouachi und Amedy Coulibaly
Chérif Kouachi, Saïd Kouachi und Amedy Coulibaly(c) Reuters
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Zwei Attentate, zwei Geiselnahmen, drei Gesichter: Eine Skizze jener drei Personen, die Nordfrankreich seit Mittwoch in Atem hielten.

In Frankreich überschlugen sich seit Mittwoch die Ereignisse. Der Versuch einer Skizze jener Personen, deren Gesichter auf Fahndungsfotos um die Welt gingen.

Chérif Kouachi wurde am 29. November 1982 im zehnten Arrondissement von Paris geboren. Wegen „islamistischer Tendenzen“ geriet er erstmals 2005 ins Visier der Polizei. Er soll einer zehnköpfigen Verbindung angehört haben, die nach dem städtischen Park „Buttes-Chaumont“ im 19. Arrondissement benannt ist. Die Organisation soll mehrere dutzend Franzosen für den Kampf an der Seite der Jihadisten im Irak rekrutiert haben. Auch Chérif selbst wollte nach Damaskus ausreisen, wurde zuvor aber festgenommen und zu drei Jahren Haft verurteilt – 18 Monate davon auf Bewährung. 2010 fiel der Name des „Gelegenheitsmuslim“, als welchen er sich selbst bezeichnete, erneut. Er soll an Plänen beteiligt gewesen sein, den inhaftierten Islamisten und das einstige Mitglied der algerischen Islamistengruppe GIA Smain Ait Ali Belkacem aus dem Gefängnis zu befreien.

Im Zusammenhang mit den Befreiungsplänen stießen die Ermittler auf den Namen Saïd Kouachi. Der ältere Bruder von Chérif, ebenfalls Mitglied der „Buttes-Chaumont“-Verbindung, wurde überprüft, konkrete Erkenntnisse gab es nicht. Wie Chérif wurde Saïd im zehnten Arrondissement von Paris geboren. Sein Geburtsdatum: 7. September 1980. Im Jahr 2011 soll er „ein paar Monate“ lang an der Ausbildung lokaler al-Qaida-Einheiten im Jemen teilgenommen haben.

Nach Angaben aus Washington stand das Geschwisterpaar - Kinder algerischer Einwanderer, aufgewachsen in einem Heim in Rennes - „seit Jahren“ auf den Überwachungslisten der USA. Sie seien dort als Terrorverdächtige geführt worden und ihre Namen seien auch auf der Flugverbotsliste gestanden, weshalb es ihnen untersagt war, in die Vereinigten Staaten einzureisen. Laut Frankreichs Innenministers Bernard Cazeneuve wurden die Brüder auch in Frankreich überwacht.

Amedy Coulibaly wurde am 27. Februar 1982 geboren. Auch er ist in französischen Polizeikreisen kein Unbekannter. Offizielle Stellungnahmen zu seiner Person gibt es zwar noch keine, laut dem Magazin „L'Obs" soll der 32-Jährige aber derselben Zelle angehören, wie die Kouachi-Brüder, der „Buttes-Chaumont“. Wegen bewaffneten Raubs, Drogenhandels und aufgrund von Kontakten zu einer terroristischen Organisation wurde er bereits zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Strafmaß wurde aber verkürzt, da Coulibaly zum Zeitpunkt der Taten minderjährig war, schreibt das Magazin. Zuletzt wurde er 2010 von Antiterror-Einheiten festgenommen, seit dem Frühjahr 2014 ist er auf freiem Fuß.

An jenem Frühjahrestag soll vor den Gefängnistoren die heute 26-jährige Hayat Boumeddiene gewartet haben. In französischen Medien wird sie als Coulibalys Lebensgefährtin bezeichnet. Auf dem Fahndungsbefehl wird ihr Geburtsdatum mit dem 26. Juni 1988 angegeben. Sie soll Coulibaly nach seiner Haftentlassung bei sich aufgenommen und ihm bei dem Mord an der Polizistin am 8. Jänner beigestanden haben. Ob Sie Teil der „Buttes-Chaumont“-Connection ist, ist unklar.

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Kurz-Chronologie

Am 7. Jänner stürmen bewaffnete, vermummte Männer die Redaktion der Stairezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris. Sie töten zwölf Menschen und verletzen elf weitere. Die Polizei gibt eine Fahndung nach zwei Brüdern aus: Chérif und Saïd Kouachi. Tags darauf wird in Montrouge, ebenfalls in Paris, eine Polizistin erschossen. Der Täter kann ebenfalls fliehen. Für einen Zusammenhang mit dem Hebdo-Anschlag gibt es zunächst keine Beweise.

Kurz darauf wird ein mutmaßliches Fluchtauto der Kouachi-Brüder in Villers-Cotteret, nordöstlich von Paris gefunden. Sonderkommandos von Polizei und Gendarmerie durchsuchen Paris und Umgebung, 88.000 Sicherheitskräfte sind im Einsatz. Am 9. Jänner kommt es in Dammartin-en-Goele zu einem Großeinsatz. Das Geschwisterpaar hat sich in einer Druckerei verschanzt  – mit einer Geisel.

Während versucht wird, mit den beiden Verhandlungen aufzunehmen, kommt es zu einer Schießerei in Paris - in einem koscheren Supermarkt nahe der Metrostation Porte de Vincennes. Das Polizeipräsidium der Hauptstadt gibt eine Fahndung nach Amedy Coulibaly und Hayat Boumeddiene aus. Sie sollen hinter dem Mord an der Polizistin stecken. Coulibaly wird zudem verdächtigt, sich mit mehreren Geiseln in dem Supermarkt verschanzt zu haben.

Gegen 17:30 Uhr am 9. Jänner kommt es an beiden Orten zu einem Zugriff durch die Polizei. Alle Geiselnehmer werden getötet.

(hell)