Embryo-Check weiter eingeschränkt?

picture of an embryo
(c) REUTERS (MIKE BLAKE)

Beim Fortpflanzungsmedizingesetz dürfte es noch Änderungen geben. Kinderwunschinstitut kritisiert, dass Österreich hinter EGMR-Urteil zurückbleibe.

Wien. Es ist ein umstrittenes Unterfangen: Im Zuge einer Novelle soll die Präimplantationsdiagnostik (PID) – also das Untersuchen eines durch Befruchtung im Reagenzglas entstandenen Embryos vor der Einpflanzung in die Gebärmutter – erstmals erlaubt werden. Während das manchen katholischen Kreisen zu weit geht und die Novelle im ÖVP-Klub umstritten ist, kritisieren andere, dass auch die neuen Regeln noch zu wenig liberal seien.

So rügt Gernot Tews, Leiter eines Kinderwunsch-Instituts, dass man bei Verdacht auf die Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose weiterhin die PID nicht anwenden darf. „Damit konterkariert man genau den Auslöser des Gesetzes, nämlich das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR)“, so Tews zur „Presse“. Der EGMR hat in einem Urteil festgehalten, dass man nicht die Abtreibung erlauben, aber gleichzeitig die Untersuchung des Embryos auf Erbkrankheiten vor der Einsetzung verbieten dürfe. Im Anlassfall bekam das (italienische) Paar ein Kind mit Mukoviszidose.

 

Strenge Voraussetzungen

Laut Entwurf soll die PID erlaubt sein, wenn etwa eine Erbkrankheit mit schwersten Hirnschädigungen oder schwersten Schmerzen zu befürchten sind. Mukoviszidose falle nicht darunter, sagt Tews, der das neue Gesetz bekämpfen will. Im Justizministerium sieht man kein Problem: Das Urteil zur Mukoviszidose sei gegen Italien gefällt worden. Und jedes Land habe hier seinen eigenen Beurteilungsspielraum. Es gehe im Gesetz auch nicht um bestimmte Krankheiten, man wolle aber an die PID generell strenge Voraussetzungen knüpfen.

Möglicherweise wird die Novelle weiter verschärft. Laut Parlamentskreisen sind noch Änderungen vor dem Beschluss geplant. Nach Tews' Informationen ist sogar angedacht, dass eine weitere Möglichkeit für den PID-Einsatz (dass eine Frau schon drei Fehl- oder Totgeburten erlitt) gestrichen wird.

Eine Verschärfung gab es schon nach der Begutachtung: Ursprünglich sollte die PID auch nach drei gescheiterten Versuchen einer medizinisch unterstützten Fortpflanzung erlaubt werden. Nun müssen alle drei Versuche bereits auf eine In-vitro-Fertilisation (Befruchtung im Reagenzglas) zurückgehen. Drei erfolglose Inseminationen oder hormonelle Stimulationen allein reichen nicht mehr aus.