Der weltgrößte Getränkekonzern trennt sich von 1800 Mitarbeitern.
Washington. Nach PepsiCo und der Dr Pepper Snapple Group reagiert nun auch Coca-Cola auf die weltweit sinkende Nachfrage nach stark gezuckerten Brausegetränken. Der weltgrößte Getränkekonzern mit Sitz in Atlanta gab bekannt, weltweit 1600 bis 1800 seiner insgesamt rund 130.000 Arbeitnehmer zu kündigen.
Diese Kündigungen sind Teil eines etwa drei Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) umfassenden Sparprogramms, das sich auf die größten Verlustbringer innerhalb des in Summe weiterhin gewinnträchtigen Konzerns konzentriert: das Abfüllen und den Vertrieb der Coca-Cola-Flaschen und -Dosen. Schon im vergangenen Oktober hatte die Konzernführung erklärt, bis zum Jahr 2017 mehr als die Hälfte seiner Abfüll- und Vertriebsniederlassungen an Lizenznehmer abgeben zu wollen. Das ist ein Geschäft, das hohe Kapitalinvestitionen in neue Maschinen erfordert, aber nur geringe Gewinnspannen abwirft. Allein in den diesbezüglichen nordamerikanischen Betriebsstellen arbeiten laut dem „Wall Street Journal“ rund 70.000 Menschen.
Für Spekulationen darüber, ob und falls ja, wie viele weitere Coca-Cola-Arbeitnehmer im Rahmen dieser unternehmerischen Neuausrichtung ihre Stellen verlieren werden, ist es zu früh. Anzunehmen ist, dass sie im Zug des Übergangs ihrer Betriebsstellen an Lizenznehmer zumindest Gehaltseinbußen und sonstige geldwerte Nachteile in Kauf werden nehmen müssen.
Ein Zeichen der Zeit
Das bisher letzte abgeschlossene Geschäftsquartal, das am 30. September endete, ist für Coca-Cola ziemlich ernüchternd verlaufen. Der Reingewinn fiel um 14 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar, was in erster Linie darauf zurückzuführen war, dass der Absatz von Coca-Cola, des wichtigsten Produktes im Markenportefeuille des Konzerns, um 3,5 Prozent zurückging.
Das ist ein Zeichen der Zeit, in der sehr stark gezuckerte Kohlensäurebrausen zusehend an Beliebtheit verlieren. Das wachsende Ernährungsbewusstsein in vielen Ländern sorgt dafür, dass immer mehr Verbraucher die Finger von Coke, Fanta oder Sprite lassen. Zur Erinnerung: 100 Milliliter Coca-Cola enthalten im Durchschnitt, der je nach Land variieren kann, mindestens zehn Gramm Zucker.
Parallel dazu fördert die Fitnesswelle die Nachfrage nach koffeinhaltigen Energydrinks. Diese enthalten ironischerweise zwar auch enorme Mengen an Zucker, lassen sich aber mit geschickten Marketingmitteln als leistungs- und aufmerksamkeitsfördernd preisen.
Tricks zur Umsatzhebung
Coca-Cola hat auf diese Entwicklungen schon vor Jahren zu reagieren begonnen. Der Konzern hat Wasserabfüller gekauft (unter der Marke Dasani kann man schon seit Längerem ziemlich selbstbewusst bepreistes Leitungswasser kaufen) und eigene Energydrink-Marken wie Burn oder Nos herausgebracht.
Außerdem wendet der Konzern verhaltenspsychologische Tricks an, um seine Umsätze zu stabilisieren. Statt den Preis von Coca-Cola zu senken, verkauft er kleinere Dosen, die relativ betrachtet mehr kosten.
Ein weiterer Versuch des Gegensteuerns ist ein Produkt namens Coca-Cola Life, in dem zumindest ein Drittel des Zuckers durch das seit einiger Zeit zunehmend modische Süßungsmittel Stevia ergänzt wird.
Die Investoren reagierten erfreut auf die erste Kündigungswelle des Konzerns seit dem Jahr 2000, als rund 5000 Arbeitnehmer ihre Stellen verloren: Der Kurs der Coca-Cola-Aktie stieg am Freitag.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2015)