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Zur falschen Zeit das falsche Wort

Also ließ die Bundesregierung sprechen: „In Frankreich wurden Menschen ermordet oder verletzt, die alle auf jeweils andere Weise unsere europäische Freiheit und unsere europäische Demokratie schützen: Journalistinnen und Journalisten, indem sie die Meinungsfreiheit mit Leben erfüllten; Polizistinnen und Polizisten, deren Aufgabe es ist, den demokratischen Rechtsstaat zu verteidigen; Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichster Konfessionen, die offenbar nur zum falschen Zeitpunkt an den Orten des Terrors waren.“

Schauspieler Peter Matić verlas diese Botschaft bei der Solidaritätskundgebung für die Opfer der Terroranschläge von Paris, zu der die Regierung und die Glaubensgemeinschaften – also inklusive der Israelitischen Kultusgemeinde – eingeladen hatten. Die jüdischen Opfer des koscheren Supermarkts, die Einkäufe für den Schabbat erledigen wollten und ermordet wurden, erwähnte die Regierung nicht. Dies, obwohl der Terror gegen jüdische Einrichtungen, zuletzt in Straßburg, seit Jahren Frankreich und Europa beweisen sollte, dass es auch um einen „Glaubenskrieg“ von Islamisten geht, die in ihrem Antisemitismus Seite an Seite mit Rechtsextremen marschieren. Um jüdische Opfer mit der Formulierung „Zur falschen Zeit am falschen Ort“ zu beschreiben, ist Österreich der falsche Ort. Und ein dummes Signal einer sonst im guten Sinn staatstragenden Aktion.

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

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