Ipic wird „Ankerinvestor“ bei Autokonzern Daimler

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GERMANY DAIMLER AABAR(c) EPA (BERND WEISSBROD)
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Der Kernaktionär der OMV zahlt für knapp zehn Prozent an Daimler 1,95 Milliarden Euro. Der Einstieg von Ipic ist Teil der Abwehrstrategie von Zetsche gegen unerwünschte Investoren.

Wien (ag./jaz). Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte in den vergangenen Wochen aufgrund der globalen Autokrise wenig Grund zur Freude. Am Montag strahlte er jedoch über das gesamte Gesicht. Grund dafür war der Einstieg eines neuen Großaktionärs beim deutschen Autokonzern: Der Staatsfonds Ipic aus dem arabischen Emirat Abu Dhabi erwarb über seine Tochter Aabar Investments im Rahmen einer exklusiven Kapitalerhöhung – Altaktionäre waren davon ausgeschlossen – 9,1 Prozent der Anteile an Daimler. Für das Aktienpaket zahlten die Araber 1,95 Mrd. Euro. Der Deal war lange geplant, bereits im Sommer 2008 gab es entsprechende Gerüchte, „Die Presse“ berichtete.

Abwehrstrategie gegen „Heuschrecken“

Der Einstieg von Ipic – der Fonds ist auch Kernaktionär bei der heimischen OMV, OMV-Vorstand Gerhard Roiss sitzt im Aufsichtsrat von Aabar – ist Teil der Abwehrstrategie von Zetsche gegen unerwünschte Investoren. Der Wert von Daimler ist in den vergangenen eineinhalb Jahren um rund 75 Prozent gefallen. Das Unternehmen ist an der Börse inzwischen nur noch etwa 20 Mrd. Euro wert. In der Vorstandsetage herrscht daher Panik vor einer möglichen feindlichen Übernahme durch eine sogenannte „Heuschrecke“. So könnte ein Finanzinvestor Daimler kaufen und den Kauf allein durch die Filetierung und den Verkauf der Lkw-Sparte und anderer Beteiligungen finanzieren, so die Horrorvision. Anders als beispielsweise BMW oder Porsche (und somit auch VW und Audi) hat Daimler bislang keinen bestimmenden Mehrheitsaktionär.

Ipic soll nun Teil eines Abwehrrings langfristiger Investoren gegen eine solche Übernahme werden. Zurzeit sind noch 75,6 Prozent des Unternehmens im Streubesitz. Neben Ipic halten nur Kuwait (6,9 Prozent) und die Deutsche Bank (4,9 Prozent) bedeutende Aktienpakete. 3,5 Prozent der Anteile hält das Unternehmen inzwischen selbst – um die Barreserven zu verringern wurde im Vorjahr ein Rückkaufprogramm gestartet.

Aabar will laut seinem Chef Khadem Al Qubaisi eine deutlich aktivere Rolle spielen, als der bisherige Großaktionär Kuwait. Gemeinsam mit Daimler wolle man beispielsweise Hochleistungsbatterien für Elektrofahrzeuge oder Brennstoffzellen entwickeln und soziale Projekte wie die Einrichtung einer Ausbildungsstätte für Autotechniker in Abu Dhabi durchführen. In das „Tagesgeschäft“ werde sich der Fonds jedoch nicht einmischen, so Qubaisi weiter.

Für Daimler bedeuten die knapp zwei Mrd. Euro, die der Fonds für den Einstieg zahlt, zudem eine äußerst willkommene Finanzspritze in einer schwierigen Zeit. Daimler ist aufgrund der eingebrochenen Nachfrage und der massiven Probleme bei der ehemaligen US-Tochter Chrysler – an der das Unternehmen immer noch ein Fünftel hält – im letzten Quartal des Vorjahres in die roten Zahlen gerutscht.

An der Börse wurde der Deal anfangs freudig gefeiert, im Tagesverlauf verlor die Aktie die Gewinne jedoch wieder großteils. Die Analysten sind sich über die Zukunft uneinig: 17 raten zum Kauf, 18 meinen „Halten“, zehn empfehlen zu verkaufen.

AUF EINEN BLICK

Der Staatsfonds Ipic aus Abu Dhabi steigt über eine Tochter beim deutschen Autokonzern Daimler ein. Für 9,1 Prozent der Aktienanteile zahlen die Araber 1,95 Mrd. Euro. Daimler begrüßt den Einstieg, da der Konzern nach langfristigen Kernaktionären sucht. Ipic ist auch bei der OMV investiert.

(c) Die Presse / GK

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2009)

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