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Nowotny hält Deflationsangst nicht für übertrieben

European Central Bank Governing Council member Nowotny addresses a news conference in Vienna
REUTERS
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Die EZB soll rasch über Anleihenkäufe entscheiden und damit den Märkten ein klares Signal geben. Ziel der Käufe ist es, den Preisverfall zu bekämpfen.

Österreichs Notenbankgouverneur und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hält die Ängste vor einer Deflation im Euroraum nicht für übertrieben. Beim möglichen breiten Ankauf von Staatsanleihen spricht er sich für eine rasche Entscheidung der Europäischen Zentralbank aus. Es wäre sinnvoll, "eher früher als später zu einer Entscheidung zu kommen", sagte er dem "Standard".

"Es gibt alle möglichen Spekulationen an den Märkten, und ich glaube, eine Notenbank sollte möglichst rasch Klarheit über ihre Strategie geben", so Nowotny auf die Frage, ob er schon kommende Woche mit einer Entscheidung zu Bondkäufen (quantitative easing) rechnet. Die Zentralbank könnte den Anleihenkauf bereits bei ihrer geldpolitischen Sitzung kommende Woche beschließen.

EZB-Chef entschlossen

Auch nach den Worten des EZB-Präsidenten Mario Draghi sei die Zentralbank zu breit angelegten Käufen von Staatsanleihen bereit. "Alle Mitglieder des Rates der Europäischen Zentralbank sind entschlossen, unserem Mandat gerecht zu werden", sagte Draghi der Wochenzeitung "Die Zeit" laut einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview.

"Natürlich gibt es Differenzen darüber, wie das geschehen sollte. Aber es ist nicht so, dass wir unendlich viele Möglichkeiten hätten." Die aktuelle Inflation liege deutlich unter dem Zielwert von knapp zwei Prozent. "Um das in dieser Phase zu erreichen, muss sie (die EZB) die Zinsen niedrig halten und auf eine expansive Geldpolitik hinarbeiten, die das Wachstum begleitet."

Deutschland ablehnend

Deutschland lehnt die Staatsanleihenkäufe ab, EZB-Präsident Mario Draghi hatte bereits angedeutet, ein solches Programm auflegen zu wollen. Laut Nowotny "laufen die Gespräche derzeit noch".

Ziel der Bondkäufe wäre die Bekämpfung eines breiten Preisverfalls. Aus der Sicht Nowotnys lässt sich eine Teuerung "viel leichter bekämpfen als eine Deflation", eine Zentralbank habe einen viel begrenzteren Spielraum. "Darum ist es auch so wichtig, eine Deflation gar nicht erst zuzulassen", so Nowoty zum "Standard" (Online-Ausgabe, Dienstag).

Preise weiter gesunken

Im Dezember, sind die Preise in der Eurozone aber um 0,2 Prozent gesunken. Ein breiter Preisrückgang ist für Nowotny "problematisch". In Europa würde "eine Phase einer langen Stagnation zu einer massiven Erhöhung der Arbeitslosigkeit führen. Wir leiden jetzt schon sehr", wird der Notenbanker zitiert.

Geldpolitik sei zwar ein "schwacher Hebel" im Kampf gegen die Deflation, aber es sei "sinnvoll, geldpolitisch etwas zu machen". Im Gegensatz zu den anderen großen Notenbanken schrumpfe die Bilanz der EZB derzeit, weil die Geschäftsbanken ihre Kredite an die Notenbank tendenziell eher zurückzahlten. "Wenn die Zentralbank also nichts unternimmt, käme dies de facto einer restriktiven Geldpolitik gleich. Wir sollten zumindest neutrale Effekte erzielen", so der Chef der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).

>> Artikel im "Standard"

(APA)