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Doping: Keine Anklage gegen Humanplasma

Symbolfoto: Humanplasma in Wien
(c) AP (Hans Punz)
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Die Staats-Anwaltschaft stellt das Verfahren gegen die Wiener Einrichtung ein. Humanplasma wurde mit systematischem Blutdoping in Verbindung gebracht.

In der Affäre rund um die Wiener Plasmaspende-Station "Humanplasma" wird es zu keiner Anklage und damit zu keinen strafrechtlichen Folgen kommen. Das gab Gerhard Jarosch, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Dienstagmittag bekannt.

Demnach hat die Anklagebehörde bereits am 8. März das Strafverfahren gegen zwei Ärzte eingestellt, von denen einer als Konsulent bei "Humanplasma" tätig war. Gemeinsam mit dem zweiten verdächtigen Mediziner betrieb er eine Firma namens "Blutdepotseminar". Gegen die beiden wurde seit Februar 2008 wegen Betrugsverdachts und möglicher Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt. Der Vorwurf: In den Räumlichkeiten von Humanplasma soll mehreren höchst prominenten Sportlern - darunter Weltmeister und Olympiasieger - Blut entnommen und so aufbereitet worden sein, dass die Zahl der roten Blutkörperchen künstlich angereichert wurde.

Die angefallenen Kosten sollen der Sozialversicherung unter anderen Titeln und somit falschen Angaben in Rechnung gestellt worden sein. Das Blutdoping soll systematisch seit 2000 bis zum Sommer 2006 betrieben worden sein.

Ärzte konnten nicht nach neuem Gesetz belangt werden

Das Verfahren wurde aus rechtlichen Gründen eingestellt, wie Jarosch betonte. Den Ärzten kam zugute, dass sie nicht nach dem im vergangenen Sommer in Kraft getretenen Anti-Doping-Gesetz belangt werden konnten, weil sie ihre möglichen Verfehlungen vor diesem Zeitpunkt gesetzt hatten. Eine Rückwirkung ist bei Strafgesetzen grundsätzlich nicht vorgesehen. "Ob die Ärzte gedopt haben oder nicht, war daher nicht Gegenstand unserer Ermittlungen", sagte Jarosch.

Die nunmehrige Rechtslage enthält demgegenüber eine Bestimmung, die auch Blutdoping und nicht bloß jene Formen von Doping, bei denen Arzneimittel zur Anwendung gelangen, explizit unter Strafe stellt. Wäre das Vorgehen der Ärzte in diese Richtung zu prüfen gewesen, hätte das die betroffenen Mediziner durchaus auf die Anklagebank bringen können.

Versicherungsbetrug nicht beweisbar

Nicht beweisbar war die darüber hinausgehende, ursprüngliche Vermutung in Richtung Versicherungsbetrug. "In keinem einzigen Fall hat sich nachweisen lassen, dass die Verdächtigen eine betrügerische Handlung begangen hätten, indem eine Doping-Behandlung durchgeführt wurde und diese später unter der falschen Vorgabe einer anderen, medizinisch notwendigen Behandlung über Versicherungen abgerechnet wurde", erläuterte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Diesbezüglich wären "mehrere nationale Sportler" zeugenschaftlich vernommen worden, sagte Jarosch. Die Staatsanwaltschaft werde weder die Namen der Sportler noch die betroffenen Sportarten bekanntgeben, betonte er.

Von den beiden Medizinern, für die die Affäre somit strafrechtlich erledigt ist, war einer als Konsulent bei "Humanplasma" tätig. Gemeinsam mit dem zweiten Verdächtigen betrieb er eine Firma namens "Blutdepotseminar". Gegen die beiden war seit Februar 2008 ermittelt worden.

Seit 2007 im Zwielicht

Humanplasma geriet bereits im Juli 2007 ins Zwielicht. Damals wies Arnold Riebenbauer, Leiter der internen Untersuchungskommission des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV) darauf hin, dass man im Zuge der Untersuchungen des Olympia-Skandal von Turin auf "Humanplasma" gestoßen ist. Nachdem die Wiener Plasmastation rechtliche Schritte eingeleitet hatte, stellte Riebenbauer klar, er habe das Unternehmen "zu keiner Zeit des Dopings bezichtigt".

Die deutsche ARD hatte im Jänner 2008 mit schweren Vorwürfe gegen insgesamt 30 namentlich zum Großteil nicht genannte Athleten für Aufsehen gesorgt. Sie alle sollen laut ARD-Berichten im Umfeld des Wiener Instituts Humanplasma Blutdoping betrieben haben. Namentlich wurden nur vier Radprofis, darunter der Österreicher Georg Totschnig genannt. ARD-Dopingexperte Hans-Joachim Seppelt begründete die namentliche Nennung nur der Radprofis in einem WDR-Radiointerview damit, dass die vorliegenden Informationen über die Radsportler aus unterschiedlichen Ressourcen stammen würden. Im Hinblick auf betroffene Wintersportler sprach er von einem "anderen Stadium", die Verdachtsmomente seien allerdings "sehr manifest".

Seppelt brachte in der Doping-Causa auch organisierte kriminelle Machenschaften ins Spiel. Die Russenmafia würde "im Hintergrund die Fäden ziehen", deshalb sei für seine Informanten "die Angst ein ständiger Begleiter". Auch sei es für ihn nicht gesichert, ob das mutmaßliche Blutdoping im Auftrag der Firma "Humanplasma" durchgeführt wurde, oder ob sich Mitarbeiter dort ohne Wissen der Geschäftsführung ein Zubrot verdient hätten.

Der Deutsche Ski-Verband (DSV) leitete  - im Gegensatz zu Humanplasma - rechtliche Schritte gegen die ARD ein, Seppelt konnte in diesem Rechtsstreit im November 2008 jedoch einen Sieg erringen.

Bei Humanplasma hatte man jegliche Verwicklungen in Doping-Aktivitäten immer bestritten.

(APA/Red.)