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Zu religionskritisch? Aufregung um Lehrerwechsel

Ein Salzburger Philosophielehrer wurde offenbar wegen religionskritischen Unterrichts aus seiner Maturaklasse abgezogen.

In einem Gymnasium in der Stadt Salzburg sorgt ein Lehrerwechsel für Aufregung. Ein Philosophielehrer, der kurz vor seiner Pensionierung steht, ist kurz vor Weihnachten aus einer Maturaklasse abgezogen und einer anderen Klasse zugeteilt worden. Eltern hätten ihm vorgeworfen, er sei zu religionskritisch, begründete die Initiative "Religion ist Privatsache" am Freitag in einer Aussendung.

Der Pädagoge sei bekennender Atheist und habe diese Meinung auch im Philosophieunterricht vertreten, sagte Eytan Reif, der Sprecher der Initiative. Darüber habe sich eine Handvoll Eltern mokiert. "Vom Landesschulinspektor gab es anfangs eine klare Rückendeckung", so der Sprecher. Offenbar hätten aber die Eltern weiter interveniert, denn später sei es plötzlich zum Lehrerwechsel gekommen.

Angst vor schlechter Note

Der Lehrer ist laut Reif dafür bekannt, dass er streng, aber fair ist. Der Pädagoge schilderte gegenüber der APA, er habe im Herbst den Schülern der Klasse bekannt gegeben, welche Fragen sie für den Test ausarbeiten sollen, und ihnen angeboten, diese Arbeiten auch zu kontrollieren. Es sei aber nichts gekommen.

Kurz vor dem Test hätte dann ein Schüler gemeint, man müsse über den Umfang des Prüfungsstoffes reden, wozu er aber zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bereit gewesen sei. Daraufhin seien Eltern in der Direktion vorstellig geworden. Offenbar hätten sie Angst gehabt, ihre Kinder könnten eine schlechte Philosophie-Note im Abschlusszeugnis bekommen.

"Was soll ich einklagen?"

"Mir wurde bisher nicht mitgeteilt, gegen welche Vorschrift ich im Rahmen meines Unterrichts verstoßen habe. Von der Eröffnung eines Disziplinarverfahrens zur Begründung der Versetzung ist mir bisher auch nichts bekannt geworden. Als Philosophielehrer ist es meine Pflicht, auch Religionskritik in meinen Unterricht einfließen zu lassen. Offensichtlich dürfen im Rahmen des Unterrichts in dieser Klasse aber ausschließlich pro-religiöse Ansichten vertreten werden", wird der Lehrer zitiert.

Rechtliche Schritte werde er aber sicher nicht ergreifen. "Was soll ich einklagen. Ich habe keinen finanziellen Nachteil, und die Klasse, in die ich nun gekommen bin, ist sehr liebenswürdig", sagte der Pädagoge, der mit Ende des Schuljahres in Pension gehen wird. Reif hingegen überlegt zurzeit noch eine Anzeige wegen Amtsmissbrauchs. Denn eine Weisung müsse sachlich begründet sein, und das gelte es noch zu prüfen.

Behörde ist zurückhaltend

Von offizieller Seite hielt man sich zu dem Fall bedeckt. Die Schulleitung bestätigte zwar den Klassentausch, verwies aber ansonsten an den Landesschulinspektor, der diese Maßnahme veranlasst habe. Und Landesschulinspektor Franz Gunter Bittner sagte, für den Schritt habe es andere Gründe gegeben. Diese könne er aber aus Datenschutzgründen nicht nennen.

Reifs Resümee: "Während sich das offizielle Österreich infolge der Pariser Anschläge kämpferisch zeigt und beteuert, das Recht auf Meinungsfreiheit kompromisslos verteidigen zu wollen, präsentiert die gelebte Realität in Österreich ein ganz anderes Bild."

(APA)