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Ein kleiner Schritt in Richtung Normalität

Auch eine Zentralbank kann nicht ewig weiterdrucken. Wer hätte das gedacht?

Ich mache ja kaum einen Hehl daraus, dass ich die nach der Finanzkrise ausgebrochene Gelddruck-Hysterie samt Zentralbank-über-alles-Rethorik ziemlich lächerlich finde. Deswegen war gestern ein guter Tag. Was war gestern? Das Ende der Eurokoppelung des Schweizer Franken. Oder: die Rückkehr des Marktes.

Was auch immer die Schweizerische Nationalbank (SNB) dazu veranlasst hat, diesen Schritt so überraschend zu gehen - und damit ein ziemliches Chaos an den Märkten zu riskieren: er hat kommen müssen. Dass er eine Woche vor der EZB-Entscheidung zu "MOAR PRINTING" am kommenden Donnerstag und nach der ECJ-Entscheidung zu Staatsanleihenkäufen am Mittwoch kommt, könnte Zufall sein - oder es könnte zusammenhängen, es kann uns eigentlich egal sein.

Die SNB hat beschlossen, dass genug genug ist. Und dass man nicht ewig weiterdrucken kann. Sie hat in den vergangenen drei Jahren unheimliche Mengen frischer Franken auf den Markt geworfen um Euros zu kaufen und den Wechselkurs zu verteidigen. Damit ist jetzt Schluss. Wie jeder fixe Wechselkurs in der Geschichte, hat auch der Franken-Euro-Peg ein Ende gefunden.

Was hat das mit Saudi Arabien zu tun?

Ich werde nicht darüber spekulieren, was wirklich dahinter steckt. Aber ich stelle fest: Es handelt sich bei dem Schritt um einen in Richtung Normalität. Grund zur Panik gibt es nicht, auch wenn die Kollegen der internationalen Finanzpresse ziemlich verdutzt dreingeschaut haben gestern. Eine überraschende Entscheidung, die nicht in den Narrativ passt - Oh. My. God.

Die SNB ist offenbar der Meinung, dass der Euro sich selbst auf den Beinen halten kann. Oder sie hat den Euro aufgegeben, aber wenn es so ist, wird die Nationalbank (und die Schweiz) bald ganz andere Probleme haben. Also gehe ich von ersterem aus. Die SNB hat sich wieder dem Markt ausgeliefert und ihren temporären Peg aufgegeben. Mal sehen, was die EZB am Donnerstag macht.

In jedem Fall passt der SNB Schritt zu einem Trend, der so subtil ist, dass er bisher kaum aufgefallen ist. So war zum Beispiel der russische Außenminister im November in Saudi Arabien, um dort einige Dinge von Bedeutung zu sprechen. Im Abschlussstatement findet sich diese zwei Sätze:

"Russia and Saudi Arabia proceed from the premise that there should be market-based prices, and supply and demand are a crucial factor here. Our Saudi partners and we are against political or geopolitical factors impacting the market." (h/t @victorcleaner)

Ich bin auch nicht der einzige, der den Schritt der SNB für einen "rationalen" hält. Hier eine Analyse der Saxo Bank.

Rückkehr des Marktes

Grob gesagt sehe ich es so: Die Zentralbank-Interventionen der vergangenen Jahre haben die "Märkte" vollkommen entstellt. Die Preissignale funktionieren nicht mehr oder kaum noch, einzig die relativen Preisrelationen können noch Hinweise geben. Zumbeispiel das Verhältnis vom Öl- zum Goldpreis.

Aber tatsächlich gehen die Interventionen, Manipulationen und politischen Absprachen noch viel weiter zurück. Eine der wichtigsten Absprachen war die Bindung des Dollars an Öl (Petrodollar) - ein Deal, der nun in Auflösung begriffen scheint. Darauf weist auch die Aussage des saudischen Prinzen Alwaleed hin, dass wir wohl nie wieder einen Ölpreis von hundert Dollar sehen werden.

Die Rückkehr des Marktes lässt sich aber nicht aufhalten - nur verzögern. Der Franken-Euro-Peg war so eine Verzögerung. Auch der Ölpreis dürfte künstlich gestützt worden sein. Jetzt werden die Währungen ihr tatsächliches Verhältnis zueinander und den wichtigsten Rohstoffen finden. Und wenn der Rest der Preisstruktur das auch gemacht hat, dann gibt's auch wieder echtes Wirtschaftswachstum. Davon sind wir weit entfernt, aber die Richtung stimmt. Grüße in die Schweiz!