Erste startet Online-Offensive

FILE AUSTRIA ECONOMY ERSTE BANK
FILE AUSTRIA ECONOMY ERSTE BANK(c) APA/EPA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
  • Drucken

Facebook und Co. drängen in den Zahlungsverkehr. Die neue Online-Banking-Plattform George soll es mit ihnen aufnehmen.

Wien. Die Digitalisierung bringt das bisherige Geschäftsmodell der Banken in Gefahr. Facebook werde zwar keine Wohnbaukredite vergeben, aber im Zahlungsverkehr gebe es von den Tech-Giganten zunehmend Konkurrenz, so Erste-Bank-Retail-Vorstand Peter Bosek am Freitag vor Journalisten. Deren Anwendungen sind bei Design und Benutzerfreundlichkeit den in die Jahre gekommenen Online-Banking-Plattformen der Banken weit voraus. Die Erste Bank will nun mit George die Antwort gefunden haben.

Ein Punkt, der für George spricht: Noch überwiegen die Sicherheitsbedenken gegenüber Google und Facebook, wie eine Umfrage zeigt. Demnach sind sich 74 Prozent der Befragten sicher, dass ihre Daten bei der Bank geschützt sind. Nur ein Prozent glaubt das bei Google. Im Durchschnitt würden 90Prozent der Kunden sagen, dass sie keine Bankgeschäfte mit Amazon, Google und Facebook machen wollen, sagt Bosek. Die sozialen Netzwerke punkten dafür beim Spaßfaktor. George soll deswegen die Sicherheit der Banken mit der von den IT-Konzernen gewohnten einfachen Bedienung und dem ansprechenden Design kombinieren. Bosek weist aber darauf hin, dass bei Jüngeren das Sicherheitsdenken immer weniger ausgeprägt ist und hier die Entwicklung zuungunsten der Banken verläuft.

Doch was ist George eigentlich? Im Grundsatz ist es eine neu entwickelte Online-Banking-Plattform und als solche den Erste-Bank-Kunden vorbehalten. Allerdings sind viele Funktionen (etwa bei der Suche von Überweisungen oder der Eingabe von Daten) vereinfacht worden. Das Merken von IBAN-Nummern soll der Vergangenheit angehören, so die Erste Bank. Für Transaktionen ist jedoch wie bisher eine TAN oder ein anderer Sicherheitscode nötig. Die Konzepte der neuen Internetkonkurrenz sind hingegen bankenübergreifend. Bei Apple Pay genügt inzwischen ein Fingerabdruck zur Bestätigung.

Erweiterungen gegen Aufpreis

Im Gegensatz zu Apple Pay, bei dem eine Gebühr eingehoben wird (0,15 Prozent), ist George grundsätzlich kostenlos und wird auch keine Werbung beinhalten – Ausnahme sind Produkte der Bankengruppe. Je nach Kundenbedarf können aber die Funktionen über Zusatzprogramme ausgebaut werden. Diese sind teilweise kostenpflichtig. Das klassische Online-Banking wird derzeit von der Hälfte der Zahlungsverkehrskunden genutzt, 30 Prozent nutzen eine App. Deren Anteil wird vermutlich „dramatisch nach oben gehen“, erwartet Bosek. Eine Verringerung der Filialen werde es aber nicht geben. (joe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2015)


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.