Autobanken bieten höhere Zinsen als normale Institute

Mercedes Benz Bank
Mercedes Benz Bank(c) AP (Thomas Kienzle)
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Deutsche Autobanken bieten Zinsen für Zwölf-Monats-Festgelder von 5,4 Prozent, gut drei Prozentpunkte mehr als bei einer klassischen Bank - aus purer Not und schlauem Kalkül.

Wien. Abstürzende Computer, endlose Warteschleifen, wütende Kunden, um Verständnis stammelnde Mitarbeiter: Was sich in den letzten Wochen bei den Direktbanken von Mercedes, Volkswagen und BMW abgespielte, war ein Albtraum für jedes Callcenter.

Und auch für jede Bank? Wenn kleine Anleger in Zeiten wie diesen Schlange stehen, und sei es nur virtuell, dann bedeutet das meist nichts Gutes. Wenn es auch noch um Finanzierungstöchter großer Autobauer geht, klingt das nach Krise zum Quadrat.

Weit gefehlt: Anleger rissen sich darum, ein Konto zu eröffnen, 80.000 waren es bei Mercedes. Grund für den „beispiellosen Ansturm“, wie ein Daimler-Sprecher das Mirakel nannte, waren Zinsen für Zwölf-Monats-Festgelder von 5,4 Prozent, gut drei Prozentpunkte mehr als bei einer klassischen Bank. Die Mitarbeiterzahl wurde verdoppelt. Doch schließlich kapitulierte die Autobank und stoppte vorerst die Kontoeröffnungen.

Ab heute geht es weiter. Die Zinsen sind kein verrücktes Schnäppchen mehr, aber immer noch über dem Marktniveau. Bei VW und BMV ist es ähnlich. Auch wenn der Spuk vorüber zu sein scheint, haben sich die Autobanken in der Welt der kleinen Sparer etabliert – zum Ärger von Sparkassen, Raiffeisen und Co.

Flucht aus der Kreditklemme

Wie ist es dazu gekommen? Autobanken haben in Deutschland Tradition, es gibt sie seit gut zehn Jahren. Bisher war ihr Geschäftsmodell einfach: Sie finanzierten Leasing und Ratenzahlungen für die Käufer ihrer Gefährte, ergänzt um Darlehen für ihre Händler. Das Geld dafür holten sie sich auf dem Finanzmarkt, etwa durch Asset Backed Securities (ABS). Diese berüchtigten Papiere sind seit der Subprime-Krise in den USA unverkäuflich geworden. Aber auch bei traditioneller Refinanzierung durch Kredite und Anleihen schnellten die Risikoaufschläge in die Höhe. Die Investoren fürchten sich: vor fallenden Preisen für Gebrauchtwagen, die die Bank am Ende der Leasingfrist verkaufen muss, vor faulen Krediten an Autokäufer oder gar vor einer Insolvenz des Konzerns. Und die Angst lassen sie sich teuer entgelten.

Um einer Kreditklemme zu entgehen, machte sich die junge Branche auf die Suche – und wurde beim kleinen Sparer fündig. Auch wenn sie hohe Zinsen bieten, sind die Konditionen für die Autofinanzierer immer noch günstiger als auf dem Kapitalmarkt. Zumindest zum Teil können sie sich damit aus eigener Kraft refinanzieren. Bei der Mercedes Bank hat sich so viel Liquidität angehäuft, dass es sogar für eine Expansion nach Großbritannien reicht.

Der große Erfolg hat nicht nur mit einem „Vorsprung durch Zinsen“ zu tun. Auch Psychologie ist mit im Spiel. Die Deutschen vertrauen ihren heiß geliebten Automarken, so schlecht es ihnen auch gehen mag, mehr als klassischen Banken. Da trifft es sich gut, dass Finanzierungssparten aller großen Konzerne schon im Oktober unter dem Schutzschirm der Einlagensicherung Platz gefunden haben.

Die VW Bank ging noch weiter: Sie sicherte sich im Februar selbst Staatsgarantien über zwei Mrd. Euro. In Anspruch hat sie diese noch nicht genommen, doch die Wellen der Empörung stiegen hoch – etwa beim Verband der Sparkassen. Dessen Präsident Heinrich Haasis beschwerte sich über die „verrückte Situation“, dass VW niedrigere Zinsen für Kredite als für Einlagen biete. Wenn diese Bank dann auch noch Staatshilfe erhalte, könne das „ein System ins Wanken bringen“.

Das Sparbuch-Führen ist also vorerst noch ein Verlustgeschäft, aus der Not geboren. Doch wohl auch mit strategischem Kalkül. Denn die Autobauer wissen: Je mehr sie im Bankbusiness mitmischen, desto „systemischer“ wird ihr Geschäft – und desto sicher können sie auf staatliche Hilfen in der Krise vertrauen.

AUTOBANKEN

Die Finanzierungstöchter von Autoherstellern bieten Autokäufern Leasing und Ratenkäufe an. In Österreich haben sich etwa die Porsche Bank oder die „Autobank“ auf dieses Geschäft spezialisiert.

Die drei großen Anbieter in Deutschland – Mercedes, VW und BMW – holen sich die Mittel nicht nur über Kredite und Anleihen auf dem Kapitalmarkt, sondern auch über die Einlagen kleiner Sparer.

Über das Internet erfolgt dabei die Abwicklung, Filialen gibt es keine – wie bei einer Direktbank.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2009)

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