Studie von Heidrick&Struggles: Österreichische Aufsichtsräte liegen in Sachen Corporate Governance abgeschlagen an letzter Stelle in Europa. Aber die Lage hat sich ein wenig gebessert.
WIEN. Österreichs Aufsichtsräte sind im internationalen Vergleich ein Trauerspiel. Aber immerhin: Die Lage bessert sich in Teilbereichen. Das ist das Ergebnis der jüngsten Corporate-Governance-Studie des Beratungsunternehmens Heidrick&Struggles („Boards in Turbulent Times, Corporate Governance Report 2009“).
Kurz zusammengefasst: Unter 13 untersuchten europäischen Ländern liegt Österreich in Sachen Corporate Governance an blamabler letzter Stelle. Nicht weit hinter Deutschland, aber mit Respektabstand zu Ländern wie Portugal, Spanien oder Italien. Einsame Spitze sind Großbritannien und die Niederlande.
Die zentralsten Schwachpunkte: Österreichische Aufsichtsräte sind zu wenig international besetzt, sie kümmern sich zu viel um Kontrolle und zu wenig um Strategie, und sie lassen ihre Arbeit nicht extern evaluieren. Und: Nirgendwo in Europa treten Aufsichtsräte seltener zusammen als in Österreich. Die durchschnittlich fünf bis sechs Aufsichtsratssitzungen pro Jahr liegen weit unter dem europäischen Schnitt von 9,6. Dafür werden sie aber auch nirgends so schlecht bezahlt: Im Schnitt kann ein österreichischer Aufsichtsrat mit 25.000 Euro „Gage“ im Jahr rechnen, im Europa-Schnitt sind es 86.000. Es gibt aber auch Positiva: Mit einem Durchschnittsalter von 55,9 Jahren sind die heimischen „Aufseher“ eindeutig die jüngsten in Europa.
Geteiltes Bild
Untersucht wurden in jedem Land die größten börsenotierten Unternehmen, in Österreich die im Leitindex ATX vertretenen Gesellschaften. Und hier sieht Stefan Steger, Managing Partner bei Heidrick in Wien, durchaus ermutigende Entwicklungen. Im ATX ist die Spreizung zwischen den besten und den schlechtesten Unternehmen überaus groß. Es gebe kleinere Unternehmen, die mit Corporate Governance nicht viel am Hut haben, aber auch ein paar größere, deren Corporate Governance absolut Weltklasse sei. Die könnten jetzt als Vorbild wirken, meint der Experte.
Österreichische Unternehmen sind laut Studie relativ gut im Bereich „Transparenz“, haben aber große Defizite in den Bereichen „Arbeitsweise“ und „Zusammensetzung“, wobei letzterer Punkt auch mit der Vergütung zusammenhängen könnte: Bei niedrigsten Aufsichtsratsgagen Europas sei es schwer, ausländische Topkräfte zu bekommen. Eines findet Steger aber seltsam: Dass österreichische Unternehmen einen klaren Fokus auf Osteuropa gelegt haben und auch schwerpunktmäßig in diesem Raum expandieren – aber kaum Osteuropäer in ihre Aufsichtsräte nehmen.
Interessant ist auch, dass österreichische Aufsichtsräte den internationalen Trend zur Bildung von Subkomitees für spezielle Aufgaben (etwa Renumeration) übernehmen. Dass aber – im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern – noch kein einziger hiesiger Aufsichtsrat Komitees für Ethik oder Corporate Social Responsibility gebildet hat. Generell sind Aufsichtsräte hierzulande eine Männerdomäne: Nur sechs Prozent der österreichischen Aufsichtsratsmitglieder sind Frauen. Zum Vergleich: In Schweden beträgt die „Frauenquote“ 22Prozent. Der Europaschnitt liegt hier bei zehn Prozent.
AUF EINEN BLICK
■Österreich hält in der jährlichen Corporate-Governance-Studie von Heidrick & Struggles weiter den letzten Platz. Die heimischen Aufsichtsräte sind zu wenig international, treten nicht oft genug zusammen und sind zu wenig strategisch tätig, heißt es darin.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2009)