Sparkurs, aber keine Flucht aus der Region – Kreditvorsorgen aufgestockt.
Wien (APA). Volksbank International (VBI), Osttochter der um Staatshilfe ringenden Österreichischen Volksbanken AG, hat die Filialexpansion in Osteuropa auf Eis gelegt. Zur Absicherung laufen sowohl in der Holding als auch bei allen Osttöchtern „natürlich Sparprogramme“, sagte am Dienstag VBI-Chef Friedhelm Boschert. Mitarbeiterabbau sei aber nur als Ultima Ratio vorstellbar. Vorher müsse an anderen Stellen eingespart werden. Die Ostbanken der VBI-Gruppe mit 5785 Mitarbeitern lieferten 2008 Rekordgewinne. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg um 27,7 Prozent auf 90 Mio. Euro.
Dem Osten wegen der Krise in einem Fluchtreflex den Rücken zu kehren kommt für Boschert nicht infrage. Mit 609 Filialen sieht der Vorstand aber den Höchststand erreicht. Die Fremdwährungskreditvergabe wurde weitestgehend gestoppt, ebenso das Immobilienprojektgeschäft. Der strategische Aufbau im Osten wird gerade überarbeitet.
Die Gewichte sind in den zehn Ländern sehr unterschiedlich verteilt. Von der Bilanzsumme von 14,7 Mrd. Euro (plus 37 Prozent) stammt mit 5,3 Mrd. Euro mehr als ein Drittel aus Rumänien, gefolgt von Ungarn (zwei Mrd. Euro). In der Ukraine, wo die VBI erst 2007 eine Bank gekauft hat, liegt die Bilanzsumme bei 277 Mio. Euro. Wegen der makroökonomischen Probleme zählen diese drei Länder zu den Sorgenkindern.
Mit 9,9 Mrd. Euro kommt die VBI auf 4,9 Prozent der österreichischen Kreditvergaben in der Region. Die Kreditvorsorgen werden heuer um weitere 80 Prozent erhöht. Boschert sieht damit bei einer Kosten-Ertrags-Relation von 58,9 das Haus „sturmsicher“ gemacht. „Im Moment sehen wir uns sehr gut gewappnet, um härteren Zeiten gegenzusteuern.“ Im Dezember bekam die VBI 200 Mio. Euro frisches Kapital von den Eigentümern. 51 Prozent gehören der ÖVAG, der Rest den deutschen und französischen Volksbanken.
Laut Boschert ist der Wachstumsvorsprung des Ostens intakt, wenngleich es heuer wohl kein Land ohne negative Konjunkturaussichten gebe. Die Nebel dürften sich „nicht vor Ende 2009“ lichten. Danach werde das Bankgeschäft anders sein, die Kreditnehmer würden sich nicht mehr „bis zur Halskrause“ verschulden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2009)