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Wiener Spitalsärzte: "Sind an Belastungsgrenze angekommen"

(c) Fabry
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Über 1000 Ärzte hatten sich zum Protest im Wiener Museumsquartier eingefunden. Sie fordern ein international vergleichbares Grundgehalt.

Im Streit um das am 1. Jänner 2015 in Kraft getretene neue Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte haben am Montagnachmittag rund 1.500 Ärzte auf Einladung der Wiener Ärztekammer im Wiener Museumsquartier ihrem Unmut zum neuen Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte Luft gemacht. Bei der zweistündigen Veranstaltung wurde auch ein Forderungskatalog beschlossen, der u.a. "attraktive Arbeitszeitmodelle" enthält.

Dem vorangegangen war eine intensive Debatte mit Medizinern aus verschiedenen Häusern. "Wenn die Bedingungen so bleiben, wird es bald keine Ärzte in den Spitälern mehr geben", so etwa Wolfgang Weismüller vom Kaiser-Franz-Josef-Spital, das zum Wiener Krankenanstaltenverbund gehört. Er forderte ein national und international vergleichbares Grundgehalt, bei dem "jede Stunde über der 40. Arbeitsstunde eine Überstunde ist und auch als solche bezahlt wird." Ähnliche Forderungen stellte auch Thorsten Graf vom Hanusch-Krankenhaus, das zur Wiener Gebietskrankenkasse gehört: "Es ist Feuer am Dach. Eine weitere Verdichtung der Arbeitszeiten ist schlicht nicht mehr möglich, wir sind an der Belastungsgrenze angekommen."

Warnung vor Engpässen

Vor weiteren Engpässen warnte Martin Andreas vom Wiener AKH, dessen Ärzte in die Zuständigkeit der Medizinischen Universität Wien und damit des Bundes fallen: "Es werden uns nicht die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt, um das neue Arbeitszeitgesetz auch zu leben. Wir sagen, es wird sich nicht irgendwie ausgehen, das Herumwursteln muss ein Ende haben, jemand muss Verantwortung übernehmen." Schon jetzt gebe es Auswirkungen wie längere Wartezeiten in Ambulanzen und weniger Operationen. Sollte es zu keiner Lösung kommen, "drohen ab Februar relevante Punkte auszufallen".

Forderungskatalog verabschiedet

Gemeinsam einigte man sich auf einen Forderungskatalog, der u.a. die Einhaltung des Ärztearbeitszeitgesetzes der Europäischen Union, attraktive Arbeitszeitmodelle, die eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf erlauben, sowie Zeit für Aus- und Weiterbildung festhält. Die Bezahlung soll auf ein international übliches Niveau angehoben werden - vor allem die Grundgehälter sollen auf Basis einer 40-Stunden-Woche neu berechnet werden. Zusätzlich soll die gesetzliche Standesvertretung als Verhandlungspartner auf allen Ebenen anerkannt werden.

"Wir haben nicht mit so viel Unterstützung gerechnet, das ist ein eindeutiges Zeichen", sagte Thomas Szekeres, Präsident der Wiener Ärztekammer. In seinen Begrüßungsworten erneuerte er seine Forderung nach einer Anhebung der Gehälter. Denn derzeit würden Spitalsärzte einen Stundenlohn zwischen 10 und 20 Euro bekommen - laut Szekeres "lächerlich wenig" für die geleistete Arbeit. Er forderte eine Anhebung auf nationales bzw. internationales Niveau. Denn nur so könne man die Abwanderung von Jungärzten stoppen. Derzeit würden nur sechs von zehn in Österreich ausgebildeten Ärzten auch hier beginnen zu arbeiten.

Grund für den Protest ist das neue Arbeitszeitgesetz, das unter anderem eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit von 60 auf 48 Stunden vorsieht. Dadurch fallen vor allem gut bezahlte Überstunden und Nachtdienste weg, was Ärztevertreter Gehaltseinbußen von bis zu 30 Prozent und Strukturprobleme befürchten lässt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2015)