Der Geist von Charles de Gaulle geht um

Weltpolitik und Goldpolitik gehen Hand in Hand - wir hatten das bloß vergessen. Jetzt werden wir wieder daran erinnert.

Charles de Gaulle ist wieder da. Als französischer Präsident piesackte er in den 1960er-Jahren die Amerikaner so lange, bis US-Präsident Richard Nixon 1971 die Goldbindung des Dollars aufkündigte. Was folgte war aber alles andere als im Sinne des französischen Altmeisters. Wie de Gaulle schon 1965 in einer der wohl wichtigsten geldpolitischen Reden des 20. Jahrhunderts sagte, bevorzugte er die Rückkehr eines Goldstandards. Was stattdessen folgte, war ein neuartiger Dollar-Ölstandard. Der so genannte "Petrodollar".

Aber heute, im Jahr 2015, befindet sich das "Petrodollar"-System in langsamer aber stetiger Auflösung. Es ist insofern kein Wunder, dass die Staaten zunehmend wieder zum Gold greifen. Venezuelas Präsident/Dikator Hugo Chavez machte es zu seiner letzten Aufgabe, das Gold des Landes wieder nach Hause zu holen. Unter großer Fanfare wurde das Metall durch die Hauptstadt gekarrt, wie Kriegsbeute.

"Echtes" Geld

Inzwischen sind auch die Niederlande und Deutschland fleißig an der Arbeit, ihre Goldreserven nach Hause zu schippern. Betroffen ist - wie schon damals zu de Gaulles Zeiten - vor allem der Standort USA. Konkret: die Tresore der Fed-Filiale von New York. Hintergrund: Wie in den 1970ern wackelt die Stellung des US-Dollar als Weltleitwährung. Und wie damals sind die Bewegungen des "echten" Geldes, das von keiner Zentralbank in beliebigem Umfang gedruckt werden kann, ein Gradmesser der Schwierigkeiten. Zu den neuerdings in der Goldlogistik aktiven westlichen Notenbanken kommen die östlichen, die fleißig zukaufen.

Entgegen der Gerüchte, Russland würde aufgrund der Sanktionen Gold verkaufen müssen, hat Moskau in Wahrheit weiter zugelegt - und verkauft stattdessen (richtig geraten) seine Dollarvorräte. Wer sitzt noch auf riesigen Bergen an Dollars? China hat rund drei Billionen. China ist außerdem der größte Goldproduzent und der größte Goldimporteur (abwechselnd mit Indien). Man braucht kein Harvard-Studium, um sich auszurechnen was das bedeutet: China saugt physisches Gold auf wie ein schwarzes Loch. Die offiziellen Zahlen hat man aber bisher nicht angepasst. Sie stehen bei rund 1000 Tonnen Gold - noch.

Hier (Die Zeit) und hier (Der Spiegel) kann man schön nachlesen, wie kritisch die Lage in den 1960er-Jahren schon war. Heute ist es ähnlich - nur das der geniale Öl-Schachzug Kissingers heute nicht mehr möglich ist.