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Rekord: Vier von zehn machen Zivildienst

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SymbolbildAPA / HANS KLAUS TECHT
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Der Wehrdienst wird für junge Männer nach der Heeresvolksbefragung vor zwei Jahren immer unattraktiver. Im Vorjahr wurde mit fast 17.000 Anträgen ein neuer Rekord für den Zivildienst verzeichnet.

Zwei Jahre nach der Volksbefragung, bei der sich die Österreicher für die Beibehaltung des Grundwehrdienstes und gegen einen Umstieg auf ein Berufsheer entschieden haben, kämpft das Bundesheer mit einem wachsenden Problem. Immer mehr junge Männer entscheiden sich für die Alternative Zivildienst. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Anträge für den Zivildienst auf die Höchstmarke von 16.960, wie aus den aktuellen Daten des Innenministeriums hervorgeht, die der „Presse“ vorliegen. Das waren knapp 1500 oder rund 8,8 Prozent mehr als im Jahr 2013.

► Vier von zehn Wehrpflichttauglichen: Die fast 17.000 Anträge für den Wehrersatzdienst bedeuten, dass bereits rund 40 Prozent der jungen Männer, die tauglich sind, den Zivildienst und nicht den Präsenzdienst beim Bundesheer absolvieren. Der Trend vergangener Jahre (siehe Grafik) hielt demnach im Vorjahr an. Zum Vergleich: Bei der Einführung im Jahr 1975 haben sich lediglich 344 Burschen für den Zivildienst entschieden. Der verstärkte Zulauf zum Zivildienst setzte Anfang der Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts nach der Abschaffung der sogenannten Gewissensprüfung ein. Die Zahl der Zivildiener stieg dann von 2428 im Jahr 1990 bereits bis zum Jahr 1993 auf mehr als das Doppelte (5450). Bald nach der Jahrtausendwende wurde schließlich die 10.000er-Grenze durchbrochen – bei gleichzeitig stagnierender oder sogar leicht zurückgehender Zahl der Tauglichen.

► Fast 14 Zuweisungen zu Organisationen: Vergangenes Jahr wurden 13.980 junge Österreicher als Zivildiener Sozial- und Hilfsorganisationen zugeteilt. Das war gegenüber dem Jahr 2013 – damals waren es 14.256 – zwar ein leichter Rückgang, aber zum Vergleich: Die Zahl der Zuweisungen von Zivildienern hat sich gegenüber dem Jahr 2000 mit damals rund 6300 praktisch verdoppelt. Der von den einzelnen Trägerorganisationen gemeldete Bedarf an Zivildienern konnte 2014 damit zu 95 Prozent gedeckt werden. 2013 waren es fast 98 Prozent. Mehr ist laut Innenministerium kaum möglich, da es immer wieder kurzfristige Ausfälle etwa wegen Erkrankungen oder Ausbildungen gibt.

► Großteil im Rettungswesen eingesetzt: Insgesamt etwa 6000 Zivildiener, das sind rund 43 Prozent, waren im Vorjahr Organisationen im Rettungswesen zugeteilt. Allen voran war dies das Rote Kreuz, aber auch der Samariterbund und die Johanniter. 4300 Burschen (32 Prozent) absolvierten ihren Zivildienst in der Sozial- und Behindertenhilfe. 1360 (zehn Prozent) waren im Vorjahr in der Altenbetreuung tätig. Von den weiteren Zivildienern waren unter anderem 81 in Kindergärten eingesetzt.
Sozialorganisationen sind damit wesentlich auf Zivildiener angewiesen. Der mögliche Wegfall des Zivildienstes bei einem Umstieg von der Wehrpflicht auf ein Berufsheer war auch einer der Hauptgründe am 20. Jänner 2013, warum die Österreicher bei der Volksbefragung mehrheitlich für den Präsenzdienst gestimmt haben.

► Verbesserungen für Zivildiener: Neben der in den vergangenen 20 Jahren deutlich gestiegenen gesellschaftlichen Anerkennung für den Zivildienst wurde dieser im Gefolge der Volksbefragung durch gesetzliche Änderungen auch attraktiver gestaltet. Zivildiener können seit Oktober 2013 qualifiziert höherwertig eingesetzt werden, die Trägerorganisationen erhalten für bestimmte Ausbildungen einen Beitrag. Außerdem wird ein freiwilliges Sozialjahr oder ein Umweltschutzjahr auf den Zivildienst angerechnet.

Erst vor Weihnachten 2014 haben sich das Innenministerium und die ÖBB nach wochenlangen Verhandlungen kurz vor Auslaufen des Vertrags geeinigt, dass für Zivildiener auch 2015 die ÖBB-Vorteilscard gilt. Diese ist 2007 für Zivildiener eingeführt worden.