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Warum Deutschland sein Gold heimholt - und Österreich nicht

CZECH REPUBLIC ECONOMY GOLD
(c) EPA (FILIP SINGER)

Jetzt ist es offiziell: Die Rückholung der deutschen Goldreserven läuft auf vollen Touren. Österreichs Gold bleibt weiterhin größtenteils im Ausland: 80 Prozent lagern in London.

Die Deutsche Bundesbank hat im vergangenen Jahr 120 Tonnen Gold aus New York und Paris nach Frankfurt geholt. Kombiniert mit jenen 122 Tonnen, die die Niederlande aus New York abgezogen haben, hat das Jahr 2014 damit die größten Bewegungen internationaler Goldreserven seit langem gesehen. Hintergrund: Deutschland hat mit rund 3400 Tonnen zwar die zweitgrößten Goldreserven der Welt (hinter den USA mit rund 8000 Tonnen) – bis 2013 lagerten allerdings mehr als 1500 Tonnen des deutschen Goldes noch in New York.

Das ist ein Überbleibsel sowohl des Kalten Krieges als auch des Währungssystems von Bretton Woods. Unter diesem konnten ausländische Regierungen US-Dollars in Gold tauschen – beließen das so erworbene Gold aber meist in den Tresoren der Federal Reserve in New York. Das ging so lang gut, bis Frankreich unter Charles de Gaulle 1966 die Auslieferung des Goldes verlangte. Fünf Jahre später erklärte US-Präsident Richard Nixon die „vorübergehende Einstellung“ der Bindung des Dollars an Gold – und damit de facto die Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten. Das Dollarsystem wurde zwar gerettet, indem die US-Währung als globale Ölwährung etabliert wurde.
Ökonomisch ist die Goldlagerung in New York für die Deutsche Bundesbank heute aber sinnlos. Genauso die Lagerung in Paris. Die Bundesbank will ihren gesamten Goldvorrat aus Frankreich nach Deutschland holen, weil es keinen Sinn hat, das Gold innerhalb der Eurozone an zwei Stellen zu lagern. Bisher sind 67 Tonnen aus Paris nach Frankfurt geliefert worden.

Das Gold ist echt

Aus New York sind bisher erst 90 Tonnen gekommen. Bis 2020 will man aber ganze 300 Tonnen des Edelmetalls aus den USA zurückholen. Aktuell lagern immer noch 43 Prozent der deutschen Goldreserven in New York, 35 Prozent (knapp 1200 Tonnen) in Frankfurt, 13 Prozent (rund 440 Tonnen) in London und neun Prozent (rund 307 Tonnen) in Paris. „Seit Beginn der Verlagerungen im Jahr 2013 wurden insgesamt 157 Tonnen Gold nach Frankfurt am Main verlagert, davon 67 Tonnen aus Paris und 90 Tonnen aus New York. Das entspricht etwa 23 Prozent der zu verlagernden Menge“, so die Bundesbank.



Man habe die Verlagerung des Goldes auch dazu genutzt, rund 50 Tonnen des Metalls auf den marktüblichen Barrenstandard London Good Delivery umschmelzen zu lassen. Dabei wurden in Zusammenarbeit mit Experten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel auch „Stichprobenkontrollen“ vorgenommen – wohl um die Echtheit des von den Amerikanern gelieferten Goldes zu bestätigen. „Wie erwartet gab es keine Beanstandungen“, sagte Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. „Die Umsetzung unseres neuen Goldlagerstellenkonzeptes verläuft reibungslos. Wir liegen sehr gut im Zeitplan“, so Thiele.

Österreich hat bisher keine derartigen Pläne – obwohl ein Großteil der insgesamt 280 Tonnen schweren österreichischen Goldreserven ebenfalls im Ausland lagert, allerdings nicht in den USA. Rund 80 Prozent des heimischen Goldes liegen bei der Bank of England in London, 17 Prozent in Wien und drei Prozent in Zürich.

Österreich ziert sich noch

„Wir evaluieren das Lagerstellenkonzept“, heißt es dazu auf „Presse“-Anfrage aus der Nationalbank. Einem Sprecher zufolge könne diese „Evaluierung“ aber noch einige Monate dauern. Bei Fragen der Rückholung von Goldreserven müssten viele Details geklärt werden: Wie viel soll heimgeholt werden? Was kostet der Transport? Wo soll das Gold in Wien konkret gelagert werden?
Dass auch Österreich in absehbarer Zeit zumindest einen Teil des heimischen Goldes nach Wien zurückholen wird, ist sehr wahrscheinlich. Auch der für die Prüfung der Nationalbank zuständige Rechnungshof zeigte zuletzt Unverständnis über das Lagerkonzept. Bleiben die Fragen: Wann holt die Nationalbank Gold zurück – und wie viel? Ein Teil muss wohl in London bleiben, weil dort ein wichtiger Gold-Handelsplatz ist – und das Gold so im Notfall als Währungsreserve eingesetzt werden kann.