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Wer sind hier eigentlich die „Spekulanten“?

In Franken-Kredit-Krise manifestiert sich wieder Vollkaskomentalität.

Wir leben in einer Vollkasko-Gesellschaft. Wenn man etwas verbockt, dann muss irgendjemand schuld sein und die Rechnung übernehmen. Man selbst jedenfalls nicht.

Man sieht das sehr schön an den Reaktionen zur jüngst eskalierten Franken-Kredit-Krise im Lande. Da hat gestern der Chef der Kärntner Freiheitlichen den Vogel abgeschossen – mit der Forderung, Banken und Bund sollten die „Opfer der Franken-Kredit-Spekulation“ entschädigen.

Der Mann – immerhin Anwalt – spielt da ein bisschen den Ahungslosen: Beim Fremdwährungskredit sind die Kreditnehmer technisch gesehen, auch wenn sie das selbst nicht so wahrnehmen, „Spekulanten“ und nicht „Opfer“. Aber Brutal-Populismus ohne Rücksicht auf irgendwelche Fakten war Kärntner FP-Leuten ja noch nie besonders fremd.

Zu den Franken-Krediten ist, auch wenn das wenig populär sein sollte, zu sagen: Wer jetzt noch „drin“ ist, der hat entweder jahrelang alle Warnungen ignoriert, oder er hat bewusst auf einen Schwächeanfall des Frankens spekuliert. Das ist weder illegal noch schlecht, aber wenn es danebengeht, ist das eben Pech. Jedenfalls aber nichts, was unbeteiligte Dritte interessieren könnte.

Natürlich hat es auch Fehlberatung bei Finanzberatern und Banken (für die Fremdwährungskredite wegen deutlich höherer Spesen sehr lukrativ sind) gegeben. Hieraus resultierende Schadenersatzforderungen sind bilateral (eventuell unter Zuhilfename von Konsumentenschutzanwälten) zu klären.

Aber es kann wirklich niemand sagen, er hätte das Risiko nicht gekannt. Die Nationalbank hat die Vergabe von Franken-Krediten schon vor sechs Jahren aus den vorhin genannten Gründen gestoppt. Und „Die Presse“ hat erstmals am 16.Juni 2001 (!), vor fast 14 Jahren, vor dieser Art von Zins- und Währungswette gewarnt. Und dabei den damaligen Chef der RLB NÖ-Wien mit den Worten zitiert, ein Fremdwährungskredit sei „reine Spekulation“, und es sei „viel gescheiter“, ins Casino zu gehen. Da habe man wenigstens sein Vergnügen.

Die Idee des Kärntner FPÖ-Häuptlings, die Bankensteuer zur Schadensbegrenzung heranzuziehen, ist aber tatsächlich gut. Man sollte dafür jenes Drittel der Steuereinnahmen nehmen, das ungerechtfertigterweise den Ländern zusteht. Denn deren missglückte Franken-Spekulationen werden uns Steuerzahler tatsächlich noch eine Menge kosten.

josef.urschitz@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2015)