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EZB steckt über eine Billion Euro in Staatsanleihen

European Central Bank President Mario Draghi Announces Interest Rate Decision
The euro sculpture is seen outside the headquarters of the European Central Bank in FrankfurtBloomberg

Die Europäische Zentralbank beschloss ein zusätzliches Anleihenprogramm bis September 2016, teilte EZB-Präsident Draghi mit. Das Volumen ist deutlich höher als erwartet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird bis mindestens Ende September 2016 monatlich für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere aus den Euro-Länder aufkaufen. Das Kaufprogramm werde im März 2015 starten, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. Damit beträgt das Gesamtvolumen 1,14 Billionen Euro und ist deutlich höher als erwartet. Das Programm soll so lange laufen bis sich die Inflation nachhaltig angepasst hat an eine Rate von knapp 2,0 Prozent.

Die EZB verschärft ihren Kampf gegen gegen drohende Deflation und ein drohendes Abrutschen der Wirtschaft im Euroland.  Im Fachjargon heißt dies quantitative Lockerung oder "QE". Damit kann die  Notenbank frisches Zentralbankgeld drucken und damit Wertpapiere kaufen. Mit dem Programm sollen unter anderem Staatsanleihen mit Investmentgrad mit einer Laufzeit von 2 bis 30 Jahren, Anleihen von EU-Institutionen und Unternehmensanleihen. Zudem beschloss die EZB den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent zu belassen.

In einer ersten Reaktion sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner gegenüber dem "Standard": "Ich sehe das sehr ambivalent. Wenn wieder Geld ins System fließt, wird der Druck auf Länder, Reformen anzugehen, wieder geringer." Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Unabhängigkeit der EZB betont. "Was immer für eine Entscheidung die EZB fällt, sie darf nicht davon ablenken, dass die eigentlichen Wachstumsimpulse durch vernünftige Rahmenbedingungen durch die Politik gesetzt werden müssen und auch gesetzt werden können", sagte sie beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Auftrieb an den Börsen

Die europäischen Leitbörsen haben nach der Bekanntgabe klar zugelegt. Der Euro-Stoxx-50 sprang im Zuge von Draghis Aussagen um etwa ein Prozent auf ein Tageshoch bei 3.318,50 Punkte nach oben. Derzeit notiert der europäische Leitindex wieder etwas tiefer 3.299,80 Punkten. Auch der Leitindex der Frankfurter Börse DAX weitete seine Kursgewinne vom Mittagshandel weiter aus und stand gegen 14.45 Uhr bei plus 0,59 Prozent auf 10,359,70.

Der Euro rutschte im Zuge der Draghi-Aussagen deutlich ab und fiel zeitweise auf ein vorläufiges Tagestief von 1,1511 Dollar, erholte sich jedoch rasch wieder und bewegt sich nun bei etwa 1,1560 Dollar.Besonders starke Aufschläge gab es bei den Börsen in Spanien und Italien zu beobachten. 

 

Ankauf von Staatsanleihen

Mit einem Anleihenkaufprogramm - im Fachjargon quantitative Lockerung oder "QE" genannt - kann die Notenbank frisches Zentralbankgeld drucken und damit Wertpapiere kaufen, vor allem Staatsanleihen. Zieht das Wirtschaftswachstum an, würde das auch die zuletzt extrem niedrige Inflation wieder anheizen. Damit würden Sorgen vor einem gefährlichen Preisverfall auf breiter Front - also einer Deflation - vorerst beendet.

Die Wirkung von Anleihenkäufen ist unter Volkswirten und Notenbankern umstritten, etwa weil die Zinsen bereits extrem niedrig sind und weitere Sondermaßnahmen daher nur sehr begrenzt wirken dürften. Zudem wird befürchtet, dass die EZB den Reformeifer in Krisenländern bremst, wenn sie den Staaten in großem Stil Schuldscheine abkauft.

Niedrige Inflation als Begründung

Manche Kritiker sind der Meinung, dass das viele Zentralbankgeld nicht bei Kreditnehmern ankommen, sondern in Aktien oder Immobilien gesteckt werden wird. Das könnte zu neuen Preisblasen führen. Zudem wird befürchtet, dass die EZB den Reformeifer in Krisenländern bremst, wenn sie den Staaten in großem Stil Schuldscheine abkauft - und damit deren Kosten zur Aufnahme neuer Schulden drückt.

Die EZB begründet das Vorhaben mit der seit Monaten sehr niedrigen Inflation im Euroraum. Im Dezember sanken die Verbraucherpreise auf Jahressicht sogar erstmals seit 2009 - vor allem weil die Ölpreise abgestürzt sind. Die EZB muss gegensteuern, weil sie sich einem Inflationsziel von knapp unter 2,0 Prozent verpflichtet hat.

Quantitative Easing

Die Abkürzung QE steht für "Quantitative Easing", zu Deutsch: "Quantitative Lockerung". Dieser Begriff kommt daher, dass bei einer solchen Maßnahme die Menge, also die Quantität, das Zentralbankgeldes zunimmt. Eine Notenbank druckt sich selbst Geld, um Wertpapiere zu kaufen. Meist sind das Anleihen von Staaten und Unternehmen.

Durch den Erwerb solcher Schuldscheine will die Zentralbank langfristige Zinsen drücken. Dann können etwa Staaten günstiger frisches Geld bei Investoren einwerben.

(APA/Reuters)