Nachrichten Meinung Magazin
Zorn der Straße

Wenn Manager um ihr Leben fürchten

Die Wirtschaftskrise nimmt eine neue Dimension an. Immer öfter müssen Manager als Sündenböcke herhalten: Sie werden bedroht, als Geiseln genommen und attackiert.
02.01.2017 um 18:17
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Hauptbild • (c) Reuters (Jason Reed)
Manager werden als Geiseln genommen, die Villen von Bankern attackiert. Der Zorn der Opfer der Wirtschaftskrise richtet sich immer häufiger gegen konkrete Einzelpersonen.So gingen die Scheiben der schwarzen Mercedes-Limousine des ehemaligen Royal Bank of Scotland-Chefs Fred Goodwin ebenso zu Bruch ...VON PETER HUBER
Manager werden als Geiseln genommen, die Villen von Bankern attackiert. Der Zorn der Opfer der Wirtschaftskrise richtet sich immer häufiger gegen konkrete Einzelpersonen.So gingen die Scheiben der schwarzen Mercedes-Limousine des ehemaligen Royal Bank of Scotland-Chefs Fred Goodwin ebenso zu Bruch ...VON PETER HUBER
(c) AP (Danny Lawson)
... wie die Scheiben seiner Villa.Für Empörung sorgt Goodwins jährliche Pension in Höhe von 760.000 Euro, während die Bank 2008 einen Verlust von 26 Milliarden Euro schrieb.
... wie die Scheiben seiner Villa.Für Empörung sorgt Goodwins jährliche Pension in Höhe von 760.000 Euro, während die Bank 2008 einen Verlust von 26 Milliarden Euro schrieb.
(c) Reuters (Russell Cheyne)
Fred Goodwin, "der schlimmste Banker der Welt" ((c) Newsweek), ist bereits seit Wochen untergetaucht. Paparazzi erhalten laut "Financial Times Deutschland" bereits 30.000 Euro für ein Bild von ihm.Brachte ihm sein einst eiskaltes Sanierer-Image den Spitznamen "Fred, the Shred" ein, wollen ihn mittlerweile viele Briten genau dort sehen: im Schredder.
Fred Goodwin, "der schlimmste Banker der Welt" ((c) Newsweek), ist bereits seit Wochen untergetaucht. Paparazzi erhalten laut "Financial Times Deutschland" bereits 30.000 Euro für ein Bild von ihm.Brachte ihm sein einst eiskaltes Sanierer-Image den Spitznamen "Fred, the Shred" ein, wollen ihn mittlerweile viele Briten genau dort sehen: im Schredder.
(c) AP (Danny Lawson)
Die Stimmung in Großbritannien ist aufgeheizt. Der britische Professor Chris Knight spekulierte öffentlich sogar über "an Laternenpfosten baumelnde Bankmanager". In seinem Garten stehen Plakate mit Aufschriften wie "Hängt die Banker, bis sie tot sind".Er wurde von der University of East London suspendiert.
Die Stimmung in Großbritannien ist aufgeheizt. Der britische Professor Chris Knight spekulierte öffentlich sogar über "an Laternenpfosten baumelnde Bankmanager". In seinem Garten stehen Plakate mit Aufschriften wie "Hängt die Banker, bis sie tot sind".Er wurde von der University of East London suspendiert.
(c) AP (Lefteris Pitarakis)
Doch Goodwin ist in bester Gesellschaft. Als einer der ersten bekam Richard Fuld den Volkszorn zu spüren.Wegen seiner unkontrollierten Wutausbrüche wurde er auch "Gorilla" genannt. Heute richtet sich die Wut gegen ihn. Er hat die 158 Jahre alte Investmentbank Lehman Brothers in die Pleite getrieben.Mittlerweile ist er zu einem der meistgehassten Männer der USA avanciert und gilt als Paradebeispiel für Gier und Charakterlosigkeit.
Doch Goodwin ist in bester Gesellschaft. Als einer der ersten bekam Richard Fuld den Volkszorn zu spüren.Wegen seiner unkontrollierten Wutausbrüche wurde er auch "Gorilla" genannt. Heute richtet sich die Wut gegen ihn. Er hat die 158 Jahre alte Investmentbank Lehman Brothers in die Pleite getrieben.Mittlerweile ist er zu einem der meistgehassten Männer der USA avanciert und gilt als Paradebeispiel für Gier und Charakterlosigkeit.
(c) Reuters (Jonathan Ernst)
Fuld, der fürchtet wegen der Lehman-Insolvenz zur Rechenschaft gezogen zu werden, hat bis zur Banken-Pleite rund eine halbe Milliarde Dollar verdient. Nun bangt er offenbar um sein Reichtum und hat seine Villa für 100 Dollar verkauft - an seine eigene Ehefrau.Als sich Fuld vor dem US-Kongress rechtfertigen musste, warum er nach dem Kollaps einen gut dotierten "Golden Handshake" erhielt, wurde er von wütenden Demonstranten umzingelt.
Fuld, der fürchtet wegen der Lehman-Insolvenz zur Rechenschaft gezogen zu werden, hat bis zur Banken-Pleite rund eine halbe Milliarde Dollar verdient. Nun bangt er offenbar um sein Reichtum und hat seine Villa für 100 Dollar verkauft - an seine eigene Ehefrau.Als sich Fuld vor dem US-Kongress rechtfertigen musste, warum er nach dem Kollaps einen gut dotierten "Golden Handshake" erhielt, wurde er von wütenden Demonstranten umzingelt.
(c) AP (Susan Walsh)
Die Stimmung in den USA heizt sich auf - Manager fürchten um ihr Leben. "Alle Manager und ihre Familien sollten hingerichtet werden, mit Klaviersaitendraht um den Hals", steht etwa in einem Brief, der an Edward Liddy, den Chef des US-Versicherungsriesen American International Group (AIG) adressiert ist.
Die Stimmung in den USA heizt sich auf - Manager fürchten um ihr Leben. "Alle Manager und ihre Familien sollten hingerichtet werden, mit Klaviersaitendraht um den Hals", steht etwa in einem Brief, der an Edward Liddy, den Chef des US-Versicherungsriesen American International Group (AIG) adressiert ist.
(c) Reuters (Jason Reed)
"Falls die Regierung das nicht regelt, werden wir, das Volk, das in unsere eigenen Hände nehmen", heißt es in der Drohung weiter.AIG-Manager lassen daher bereits seit Tagen ihren Häuser bewachen. Sicherheitskräfte mit Maschinenpistolen patroullieren vor der Zentrale in New York.
"Falls die Regierung das nicht regelt, werden wir, das Volk, das in unsere eigenen Hände nehmen", heißt es in der Drohung weiter.AIG-Manager lassen daher bereits seit Tagen ihren Häuser bewachen. Sicherheitskräfte mit Maschinenpistolen patroullieren vor der Zentrale in New York.
(c) Reuters (Jason Reed)
Und hochrangige Politiker gießen weiter Öl ins Feuer. Der republikanische Senator Charles Grassley forderte AIG-Manager auf:"Folgen Sie dem japanischen Beispiel: Machen Sie eine Verbeugung – und dann treten Sie entweder zurück oder begehen Selbstmord."
Und hochrangige Politiker gießen weiter Öl ins Feuer. Der republikanische Senator Charles Grassley forderte AIG-Manager auf:"Folgen Sie dem japanischen Beispiel: Machen Sie eine Verbeugung – und dann treten Sie entweder zurück oder begehen Selbstmord."
(c) AP (J. Scott Applewhite)
Populismus dieser Art füttert den Volkszorn.Sah man nach der Lehman Brothers-Pleite im September 2008 an der Wall Street Plakate wie "Jump, you fuckers", so tauchten nach Bekanntwerden der milliardenschweren Bernard Madoff-Betrugsaffäre ähnliche Schriftzüge auf (siehe Bild).
Populismus dieser Art füttert den Volkszorn.Sah man nach der Lehman Brothers-Pleite im September 2008 an der Wall Street Plakate wie "Jump, you fuckers", so tauchten nach Bekanntwerden der milliardenschweren Bernard Madoff-Betrugsaffäre ähnliche Schriftzüge auf (siehe Bild).
(c) Reuters (Mike Segar)
Auch im US-Fernsehen setzen immer mehr Shows auf Manager-Bashing. So schwenkt US-Komiker Stephen Colbert in seiner Sendung "Colbert Report" schon mal die "Anti CEO-Mistgabel".Scherzhaft fordert er die aufgebrachte Menge auf, ihm zu folgen: "Sollte der Pöbel siegen, bekomme ich 165 Millionen. Scheitern wir, bekomme ich nichts - außer meinem Bonus: 165 Mio. Dollar".Zur Info: AIG-Manager haben trotz Milliardenverlusten 165 Mio. Dollar Boni erhalten.
Auch im US-Fernsehen setzen immer mehr Shows auf Manager-Bashing. So schwenkt US-Komiker Stephen Colbert in seiner Sendung "Colbert Report" schon mal die "Anti CEO-Mistgabel".Scherzhaft fordert er die aufgebrachte Menge auf, ihm zu folgen: "Sollte der Pöbel siegen, bekomme ich 165 Millionen. Scheitern wir, bekomme ich nichts - außer meinem Bonus: 165 Mio. Dollar".Zur Info: AIG-Manager haben trotz Milliardenverlusten 165 Mio. Dollar Boni erhalten.
(c) AP (Charles Sykes)
Während der Zorn in den USA spontan ausbricht, entlädt sich in Frankreich ein über Jahre aufgestauter Frust über den Abbau des Sozialstaats durch die Regierung Sarkozy.
Während der Zorn in den USA spontan ausbricht, entlädt sich in Frankreich ein über Jahre aufgestauter Frust über den Abbau des Sozialstaats durch die Regierung Sarkozy.
(c) Reuters (Philippe Wojazer)
In den letzten Wochen kam es zu drei spektakulären Geiselnahmen von Managern. Zuletzt traf es vier Manager im südostfranzösischen Grenoble. Beschäftigte des US-Baumaschinenherstellers Caterpillar sperrten diese im Büro des Fabrikchefs ein. Zuvor traf es 3M-Manager Luc Rousselet (im Bild) der zwei Nächte lang in seinem Büro ausharren musste.Der gefangene Manager äußerte Verständnis für die Lage der Beschäftigten. "Die Menschen hier sind mehr zu bedauern als ich", sagte er im Radiosender France-Info.
In den letzten Wochen kam es zu drei spektakulären Geiselnahmen von Managern. Zuletzt traf es vier Manager im südostfranzösischen Grenoble. Beschäftigte des US-Baumaschinenherstellers Caterpillar sperrten diese im Büro des Fabrikchefs ein. Zuvor traf es 3M-Manager Luc Rousselet (im Bild) der zwei Nächte lang in seinem Büro ausharren musste.Der gefangene Manager äußerte Verständnis für die Lage der Beschäftigten. "Die Menschen hier sind mehr zu bedauern als ich", sagte er im Radiosender France-Info.
(c) AP (Michel Euler)
Das soziale Klima in Frankreichs Unternehmen hat sich in den vergangenen Wochen deutlich verschärft.Mitte März hatten wütende Arbeiter wegen der Schließung eines Magnetband-Werkes im Süden des Landes Serge Foucher, den Frankreich-Chef des Elektronikkonzerns Sony, eine Nacht lang gefangen gehalten.
Das soziale Klima in Frankreichs Unternehmen hat sich in den vergangenen Wochen deutlich verschärft.Mitte März hatten wütende Arbeiter wegen der Schließung eines Magnetband-Werkes im Süden des Landes Serge Foucher, den Frankreich-Chef des Elektronikkonzerns Sony, eine Nacht lang gefangen gehalten.
(c) AP (Bob Edme)
In Paris loderten Barrikaden aus Autoreifen, als Mitarbeiter des Reifenherstellers Continental auf den französischen Präsidentschaftspalast zumarschierten.Kurz zuvor waren Manager aus dem Werk in Reims mit Schuhen und Eiern beworfen worden, als sie Job-Streichungen bekanntgaben.
In Paris loderten Barrikaden aus Autoreifen, als Mitarbeiter des Reifenherstellers Continental auf den französischen Präsidentschaftspalast zumarschierten.Kurz zuvor waren Manager aus dem Werk in Reims mit Schuhen und Eiern beworfen worden, als sie Job-Streichungen bekanntgaben.
(c) AP (Jacques Brinon)
Der Sarkozy nahestehende Ökonom Alain Minc hat deshalb laut "Financial Times Deutschland" einen "offenen Brief an meine Freunde aus der herrschenden Klasse geschrieben".Darin schreibt er: "Habt Ihr übersehen, dass das Land die Nerven zum Zerreißen gespannt hat, dass die Bürger das Gefühl haben - und sei es unberechtigt - dass sie Opfer einer Krise sind, an der wir die Schuldigen sind?"
Der Sarkozy nahestehende Ökonom Alain Minc hat deshalb laut "Financial Times Deutschland" einen "offenen Brief an meine Freunde aus der herrschenden Klasse geschrieben".Darin schreibt er: "Habt Ihr übersehen, dass das Land die Nerven zum Zerreißen gespannt hat, dass die Bürger das Gefühl haben - und sei es unberechtigt - dass sie Opfer einer Krise sind, an der wir die Schuldigen sind?"
(c) Reuters (Vincent Kessler)
Minc scheut auch nicht davor zurück, den Vergleich mit der französischen Revolution 1789 zu ziehen: "Spürt Ihr nicht den Groll des Volkes, die Wut der Verbitterten, aber auch das Gefühl von Unruhe, das wie ein tragender Deckenbalken das ganze Land durchzieht?"
Minc scheut auch nicht davor zurück, den Vergleich mit der französischen Revolution 1789 zu ziehen: "Spürt Ihr nicht den Groll des Volkes, die Wut der Verbitterten, aber auch das Gefühl von Unruhe, das wie ein tragender Deckenbalken das ganze Land durchzieht?"
(c) Reuters (Regis Duvignau)
Eine Unruhewelle, die alle westlichen Länder erfasst, ist allerdings noch nicht zu sehen.Aber auch US-Präsident Barack Obama, der zuletzt davon gesprochen hatte, "zornig" und "wütend" zu sein, nimmt sich sprachlich wieder zurück. Er warnt vor einer "Dämonisierung".Er mag dabei an Goethes "Zauberlehrling" gedacht haben: "Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los."
Eine Unruhewelle, die alle westlichen Länder erfasst, ist allerdings noch nicht zu sehen.Aber auch US-Präsident Barack Obama, der zuletzt davon gesprochen hatte, "zornig" und "wütend" zu sein, nimmt sich sprachlich wieder zurück. Er warnt vor einer "Dämonisierung".Er mag dabei an Goethes "Zauberlehrling" gedacht haben: "Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los."
(c) EPA (Eric Travers)

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