Architekt Radatz schätz Sanierungskosten auf 35 Mio. Euro, der Roland-Rainer-Bau ist laut Peichl leicht adaptierbar. Bacher: Für Geschäftsführung zählt nur Geld, nicht Kultur.
Mit einer Diskussionsveranstaltung hat das Architekturzentrum Wien am Mittwochabend für den Verbleib des ORF am Küniglberg Stimmung gemacht. Laut Architekt Jürgen Radatz sei es ein Leichtes, den Roland-Rainer-Bau für die heutigen Anforderungen eines modernen Medienzentrums zu adaptieren, weil er von Anfang an flexibel konzipiert war. Eine Sanierung käme den ORF entgegen anderslautender Behauptungen wesentlich günstiger, als ein Neubau. Radatz schätzt die Sanierung - ohne Betriebskosten - auf 35 Millionen Euro in fünf Jahren.
Auch der Architekt Gustav Peichl ist der Meinung, dass der Roland-Rainer-Bau leicht saniert und angepasst und - wenn man das will - um ein Drittel verkleinert werden kann. Dass der ORF eine sanierungsbedürftige Ruine sei, findet Peichl nicht. "Wenn es nach 30 Jahren irgendwo im Dach einmal reinregnet, ist das kein Beinbruch." Auch Peichl hält die kolportierten Kosten für eine Sanierung des Küniglbergs für "falsche und völlig irreführende Fantasiezahlen".
ORF zum Küniglberg "verpflichten"
Eine Absiedlung des Senders vom 13. in den 3. Wiener Gemeindebezirk sei "dem ORF und der österreichischen Kultur nicht würdig". Dietmar Steiner, Direktor des Architekturzentrums Wien, ging sogar soweit, zu sagen, "der ORF muss gesetzlich verpflichtet werden, am Küniglberg zu bleiben!"
Der ehemalige ORF-Generalintendant und Auftraggeber des Baus am Küniglberg, Gerd Bacher, plädiert naturgemäß für den Erhalt des ORF-Zentrums in Wien Hietzing. "Ausziehen kann nur jemand, der von der Idee, Gestaltung und Tradition überhaupt nichts versteht." Dass "eine Geschäftsführung, der es so schlecht geht, wie dieser, Überlegungen anstellt, auszuziehen", halte er aber trotzdem für legitim.
Bachler hält Rainer-Bau für perfekt
Bacher, der den Roland-Rainer-Bau mit Ausnahme des fehlenden Fußgänger-Eingangs und der Klimaanlage für perfekt hält, ortet hinter den Umzugsüberlegungen der aktuellen Geschäftsführung eine Absprache mit der Gemeinde Wien "und irgendwelchen Investmentleuten, die es gewinnreich erscheinen lassen, wenn man den ORF von dort entfernt". Im ORF beeindrucke man die entscheidenden Leute nur mit materiellen Argumenten und nicht mit kulturellen, traditionellen Überlegungen, so Bacher. Das sei, findet Peichl, "niveaulos".
Die Überlegungen der ORF-Geschäftsführung, einen Neubau des ORF-Hauptquartiers vorzuschlagen, hängen nicht zuletzt vom Ausgang des Denkmalschutzverfahrens ab. Bis Juni hat der ORF noch die Möglichkeit, Einspruch gegen den Denkmalschutzbescheid zu erheben. Sollte es zu einer Abwanderung kommen, hat Radatz zwei Vorschläge für die Nachnutzung: Man könnte den Roland-Rainer-Bau in eine Hochschule und die Studios in Hörsäle umwandeln. Denkbar wäre auch, das geplante Mediazentrum in Wien-Hietzing am Küniglberg anzusiedeln. Dort könnte neben dem ORF-Fernsehen auch Ö3, ATV, Puls 4 und andere heimische Medien Platz finden, so Radatz.
(APA)