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Wenn der Stopp den „Loss“ nicht verhindert

Schweizer Franken und Euro Beendigung des Franken Mindestkurses zum Euro
Schweizer Franken und Euro Beendigung des Franken Mindestkurses zum Euro(c) imago/Christian Ohde (imago stock&people)
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In Crash-Situationen funktionieren Stop-Loss-Orders nicht. Da bringt eine Absicherung mit Derivaten mehr.

Zahlreiche Franken-Kreditnehmer erlebten neulich eine böse Überraschung: Sie hatten ihre Darlehen mit Stop-Loss-Orders gegen weitere Kursverluste des Euro zum Franken abgesichert – und mussten dann mit ohnmächtiger Wut zusehen, wie die erhoffte Absicherung wirkungslos blieb. Statt der erhofften Absicherung stand am Ende des Tages ein Anstieg der verbliebenen Franken-Schuld auf Euro-Basis um 20 Prozent.

Was bedeutet das jetzt für dieses in diesem Fall so spektakulär gescheiterte Instrument, das ja auch unter Aktienanlegern sehr verbreitet ist? Ist es überhaupt sinnvoll, mit Stopps zu arbeiten, wenn sie ohnehin nicht wirken?

Nun: Was neulich nach der Freigabe des Franken-Kurses passiert ist, dass nämlich Kurse in Sekundenbruchteilen weit nach unten durchfallen, passiert nicht allzu oft. Aber es passiert. Anleger in amerikanischen Aktien haben es beispielsweise an jenem legendären Abend vor ein paar Jahren erlebt, als der Dow Jones Index binnen kürzester Zeit ohne erkennbaren Grund 1000 Punkte verloren und sich (was für die dabei „Ausgestoppten“ besonders ärgerlich war) danach gleich wieder erholt hat.

Mit diesem Risiko muss man als Anleger allerdings leben. Stop-Loss bedeutet ja nur, dass das betreffende Wertpapier (oder die betreffende Währung) bei Unterschreiten einer festgelegten Grenze „bestens“ zum Verkauf gestellt, also zum nächstmöglichen Kurs automatisch verkauft wird. Liegt der nächste Kurs sehr viel tiefer, dann macht man eben ein sehr unvorteilhaftes Geschäft. Das passiert freilich nur in Crash-Situationen. Normalerweise funktioniert das Instrument sehr gut.

Wollte man solches verhindern, dann müsste man die Stop-Loss-Order mit einem Limit verbinden, bis zu dem verkauft werden darf. Das wird aber erstens hierzulande so gut wie nicht angeboten. Und beinhaltet zweitens ein weiteres Risiko: Wenn der Kurs nämlich weiterfällt, bleibt man auf seinem Papier sitzen und kann ihm beim Fallen zusehen.

Wer sich perfekt absichern will, kann das nur mit einer Gegenspekulation tun. Etwa mit Optionen. Im Fall des Franken hätte das bedeutet, dass man den Euro-Wert des Kredits mit einem Franken-Call (also einer Spekulation auf steigende Frankenkurse) abgesichert hätte. Das ist allerdings nicht gratis. Die „Versicherungsprämie“ (also der Preis des Call) hätte beim Franken freilich auf jeden Fall deutlich weniger gekostet als das Stop-Loss-Versagen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2015)