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Mieten: Junge und sozial Schwache zahlen mehr

THEMENBILD: WOHNEN, UMZUG, MIETEN
(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
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Österreicher geben im internationalen Vergleich wenig für das Wohnen aus. Einkommensschwache zahlen aber relativ viel, zeigt eine Studie im Auftrag des ÖVI.

Wien. Die Regierung plant einen neuen Anlauf in Sachen Mietrechtsreform. Strittig ist vor allem, in welche Richtung diese gehen soll. Sollen private Mieten strikter gedeckelt werden, oder soll lieber die öffentliche Hand dafür sorgen, dass Förderungen primär den sozial Bedürftigen zugutekommen?

Die Interessenvertreter präsentieren zu diesem Thema wechselweise Studien, die ihre Position untermauern. Diesmal war der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) an der Reihe. Er hat die Ökonomin Agnes Streissler-Führer beauftragt zu erheben, wie leistbar Wohnen in Österreich ist. Demnach werden in Österreich 22 Prozent der Haushaltsausgaben für das Wohnen aufgewendet. Das liegt unter dem EU-Schnitt von 24 Prozent.

Doch hat sich die Leistbarkeit seit 1986 leicht verschlechtert: Damals musste ein Industriearbeiter 37 Stunden arbeiten, um sich den Aufwand für eine 70-Quadratmeter-Wohnung der Kategorie A leisten zu können, heute sind es 39.

Mieterhaushalte geben hierzulande 602 Euro aus(inklusive Betriebskosten), auch das liegt unter dem EU-15-Schnitt von 617 Euro. Je nach Alter ergeben sich jedoch deutliche Unterschiede: Während ein typischer Single-Seniorenhaushalt hierzulande mit 440 Euro weit weniger für Miete ausgeben muss als sein europäisches Pendant (471Euro), muss die typische Alleinerzieherin in Österreich mit 642 Euro tiefer in die Tasche greifen als in ganz Europa (602 Euro).

Angebot ausweiten

Das habe damit zu tun, dass Neumieten höher sind als Bestandsmieten – auch bei kommunalen oder gemeinnützigen Wohnungen. Personen, die vor Kurzem einen Mietvertrag abgeschlossen haben, sind in diesem System benachteiligt. Entgegenwirken könne man dem nur mit einer Ausweitung des Angebots, meint die Expertin.

Im internationalen Vergleich ist Wohnen (Miete und Eigentum) in Österreich „leistbar“– zumindest im Durchschnitt. Österreich ist eines der wenigen Länder, in dem der Anteil der Freizeitausgaben (23 Prozent) höher ist als der Wohnausgaben (22 Prozent). Deutsche etwa geben 24 Prozent für das Wohnen und 15 Prozent für die Freizeit aus.

Relativ schwer leistbar ist Wohnen für Geringverdiener, von denen mehr als jeder Zweite in einer privaten Mietwohnung wohnt. Nicht einmal die Hälfte hat eine kommunale oder geförderte Wohnung. Dabei sind 58 Prozent der Mietwohnungen in Österreich Gemeindebau- oder Genossenschaftswohnungen. Sie kommen jedoch zu einem größeren Anteil den Mittelverdienern zugute.

Der ÖVI fordert, eine Möglichkeit zu schaffen, im sozialen Wohnbau höhere Mieten zu verlangen, wenn die Einkommen später wachsen. Das so gewonnene Geld sollte man zur Ankurbelung des Neubaus nützen. Auch das Richtwertsystem (für private Altbauwohnungen) sollte man unter die Lupe nehmen, fordert ÖVI-Geschäftsführer Anton Holzapfel. Denn in Wien werde dieser künstlich niedrig gehalten: In der Bundeshauptstadt liegt er bei 5,39Euro pro Monat und Quadratmeter, dazu kommen oft Zuschläge für Ausstattung oder Lage, die aber gedeckelt sind. Wohnbauprojekte würden sich für private Investoren vielfach nicht rechnen.

Einkommen überprüfen?

Von der Studie bestätigt sieht sich auch die Arbeiterkammer: Sie zeige, dass ein Durchschnittsarbeiter für die gleiche Wohnung heute länger arbeiten müsse als Anfang der Neunzigerjahre. AK-Präsident Rudi Kaske fordert klare Mietobergrenzen für private Altbaumietwohnungen, denn das Richtwertmietensystem bringe aufgrund der vielen Zuschläge keine wirkungsvolle Begrenzung bei den Mieten.

Karl Wurm, Obmann des Dachverbandes der Gemeinnützigen, erteilte der ÖVI-Forderung nach Einkommenskontrollen im geförderten Wohnbau eine Abfuhr. Das gegenwärtige System führe zu sozialer Durchmischung. (b.l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2015)