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ORF/ARD: Auschwitz-Gedenken im TV

(c) APA/EPA/JACEK BEDNARCZYK (JACEK BEDNARCZYK)
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Die Öffentlich-Rechtlichen bemühen sich zum 70.Jahrestag der KZ-Befreiung um die Dokumentation von Zeitzeugenberichten.

„Vergessen ist gefährlich. Je länger Kriege und Verbrechen zurückliegen, desto unwirklicher werden sie. Je weniger Menschen noch leben, die uns von den unfassbar schrecklichen Gräueltaten in Konzentrationslagern berichten können, desto weniger glauben wir, welches Grauen in unserer Welt möglich ist“, sagt Lutz Marmor. Als NDR-Intendant und Vorsitzender der ARD dirigiert er ein Medium, das die Möglichkeit hat, Ereignisse dem drohenden Vergessen zu entreißen. „Auschwitz und ich“ nennt die ARD ihr umfassendes, multimediales Projekt zum Gedenken an den 27.1.1945 – jenen Tag, an dem das Konzentrationslager befreit wurde. Auch der ORF begeht den Jahrestag. Beide Sender bemühen sich um Dokumentation der Schilderungen der wenigen noch lebenden Zeitzeugen.

ORF2 zeigt heute den Film „Die Kinder des Holocausts“ (27.1., 22.35Uhr, ORF2). Darin lässt die britische Regisseurin Zane Whittinghams die Holocaust-Überlebenden Ruth, Martin, Trude, Heinz, Arek und Suzanne zu Wort kommen – und illustriert ihre Geschichten mit Zeichentricksequenzen. Alle sechs leben heute in England, die meisten sprechen immer wieder an Schulen und Universitäten über ihr Schicksal.

Diese Form der lebendigen Geschichtsschreibung unterstützt auch die ARD: Sie betreibt bereits seit einem Jahr die Website auschwitzundich.ard.de und sammelt dort neben den immer noch beklemmenden Eindrücken heutiger Auschwitz-Besucher auch Erinnerungen von Zeitzeugen. Etwa von Shlomo Venezia, der in den Gaskammern und Krematorien des KZs arbeiten musste. Er brauchte lange, sehr lange, um darüber reden zu können – erst mehr als 60 Jahre nach der Befreiung des KZs erschien sein Buch „Meine Arbeit im Sonderkommando Auschwitz“. 2012 starb Venezia im Alter von 88 Jahren in Rom.

 

ORF als „elektronisches Gedächtnis“

Es sei die Aufgabe des ORF als „elektronisches Gedächtnis“, nicht nur auf diese dunkle Seite der Geschichte zurückzublicken, sondern „eine nachhaltige Brücke in die Gegenwart zu bauen“, findet auch ORF-General Alexander Wrabetz. Das tut ORF2 heute mit einer „ZiB spezial“ (15.10Uhr), einer „Kreuz & quer“-Diskussion über die „Bestie Mensch“ (23.25Uhr), ORFIII überträgt ab 15.10Uhr die Feier aus Auschwitz-Birkenau, in der ORF-TVthek läuft die Doku „Carl Lutz – Der vergessene Held“. (i.w.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2015)