Volksbanken: ÖVAG-Chef Pinkl tritt wegen Kommunalkredit zurück

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
  • Drucken

Die ÖVAG nimmt eine Milliarde Euro Staatskapital. Einen Nachfolger für Pinkl gibt es noch nicht, er soll aber bald gefunden werden.

wien (ju/APA). Der Führungsstreit, der den österreichischen Volksbankensektor in den vergangenen Wochen in Atem gehalten hatte, ist entschieden: Franz Pinkl (53), Vorstandschef des Volksbanken-Spitzeninstituts ÖVAG, tritt per 30.April vorzeitig zurück. Pinkls Funktionsperiode wäre noch zwei Jahre gelaufen.

Einen Nachfolger für Pinkl gibt es noch nicht, er soll nach Angaben von Aufsichtsratschef Walter Zandanell „binnen Monatsfrist“ gefunden werden.

Pinkl war nach der Not-Verstaatlichung der früheren ÖVAG-Tochter Kommunalkredit sektorintern unter Beschuss geraten. Damals hatte er erklärt, er werde zurücktreten, falls ein im Dezember in Auftrag gegebenes Gutachten zur Kommunalkreditaffäre schuldhaftes Verhalten ergeben sollte. Der ÖVAG-Chef hatte den Vorsitz im Aufsichtsrat der Kommunalkredit inne.

Zandanell sagte gestern, das Gutachten sei noch nicht fertig, es gebe aber keinerlei Anhaltspunkte für „schuldhaftes Verhalten“. Pinkl habe dem Aufsichtsrat erklärt, er wolle mit seinem Rücktritt von sich aus die Spekulationen um die Führung des Volksbankensektors beenden und den Weg für eine Neupositionierung freimachen.

Pinkl hatte zuletzt für die ÖVAG die Verhandlungen über die Hereinnahme von Staatskapital geleitet. Die sind jetzt abgeschlossen, der Aufsichtsrat hat das Paket am Donnerstag abgesegnet. Die ÖVAG bekommt demnach vom Bund eine Mrd. Euro Partizipationskapital in Tranchen zu 50 Mio. Euro. Die Laufzeit beträgt zehn Jahre, das Staatskapital muss mit 9,3Prozent verzinst werden. Sollte die ÖVAG das Bundesgeld nicht ausreichend verzinsen können, hat der Bund Wandlungsrechte. Er kann seine Beteiligung dann (frühestens in drei Jahren) in Stammaktien umwandeln, was dann einer Teilverstaatlichung gleichkäme. Auf der anderen Seite kann die ÖVAG das Partizipationskapital des Bundes auch vorzeitig abschichten.

Der Sektor trägt aber auch selbst zur besseren Kapitalisierung des Spitzeninstituts bei. Die Haupteigentümer der ÖVAG, die Volksbanken, bringen Geld ein, indem sie der ÖVAG fünf kleine inländische Banken um kolportierte 200 bis 250 Mio. Euro abkaufen. Dabei handelt es sich um die Volksbanken Wien und Linz, die Ärztebank, die VB Factoring und die Immo Bank.

Abgesegnet wurde vom Aufsichtsrat am Donnerstag auch die ÖVAG-Bilanz 2008, die im April noch von Pinkl präsentiert werden wird. Diese ist wegen der enormen Belastungen aus dem Beinahezusammenbruch der Kommunalkredit defizitär, die Belastungen sind nach Angaben des Aufsichtsratschefs aber „nicht existenzbedrohend“.

auf einen blick

Die ÖVAG bekommt eine Milliarde Euro staatliches Partizipationskapital, muss sich aber einen neuen Vorstandschef suchen: Franz Pinkl (53) tritt zwei Jahre vor Ablauf seiner Funktionsperiode zurück. Pinkl war wegen der Probleme mit der früheren ÖVAG-Tochter Kommunalkredit unter Beschuss geraten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Geld & Finanzen

Noch-ÖVAG-Boss Franz Pinkl wird Chef der Kärntner Hypo

Die Hypo Alpe Adria baut den Vorstand umfassend um. Pinkl, der demnächst noch die Bilanz der ÖVAG präsentieren wird, war fünf Jahre lang Vorstandschef im Spitzen-Institut der Volksbanken.
Österreich

Volksbanken brauchen Milliarde vom Staat

Verlust nach Kommunalkredit-Desaster – die Finanzkrise kostet 300 Mio. Euro. Insgesamt, so teilte die ÖVAG am Freitag mit, werde der Konzern einen Verlust ausweisen.
Österreich

Staatshaftung soll Wirtschaft beleben

Die Bundesregierung will Kredite in Höhe von zehn Milliarden Euro garantieren, um Geldflüsse an die Unternehmen zu beleben. Profitieren könnten davon etwa 500 heimische Unternehmen.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.