ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat im „Club 2“ live bewiesen, dass er freundlich und offen, aber auch reif für eine rasche Ablöse ist.
Die Gäste aus Deutschland und der Schweiz waren höchst erstaunt: NDR-Direktorin Maria von Welser und SRG-General Armin Walpen durften am Mittwochabend fußfrei in der ersten Reihe miterleben, wie Exgeneral Gerd Bacher den derzeitigen ORF-Chef erbarmungslos demontierte und dieser sich dann sogar noch selbst aufgab.
Im „Club 2“ sollte die Krise des Österreichischen Rundfunks diskutiert werden. Sie nahm dann tatsächlich existenziell Gestalt an: Alexander Wrabetz wurde vorgeführt, als Marionette der Politik, als Schwächling. Seine Reaktion darauf schien das zu bestätigen. Statt prägnant sein Sanierungskonzept zu zeigen oder wenigstens den brutalen Altgeneral zum Duell zu fordern, verströmte er die Wehrlosigkeit einer Dose Tigerfutter.
Das Zahme dürfte den Herren Faymann und Pröll, ihren Onkeln und Wahlonkeln, die den Rundfunk für ihre niederen Zwecke missbrauchen, gefallen. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Große Koalition den ORF mit einer dreisten Gesetzesnovelle wieder voll unter Kontrolle bringen will? Das Exekutivkomitee, das SPÖ und ÖVP für die Bestellung der ORF-Spitze planen, könnte man besser Exekutionskomitee nennen, denn auf der Strecke bleibt dabei der unabhängige Rundfunk. In diesem Punkt hat Bacher völlig recht: Die Politik wird einen gefügigen Nachfolger für Wrabetz finden, „der das alles noch weniger kann“. Es wäre Zeit für ein Volksbegehren gegen die dilettantischen Staatsfunker am Ballhausplatz. (Bericht: Seite 29)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2009)